Jahrgang 
1915
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wir begreiflicherweise mit der größteii Spannung. Leider trafen schon Anfang September bald nacheinander zwei Unglücksnachrichten ein: die Lehramtsassessoren Heineck und Guntrum waren beide am 22. August bei Anloy und Neufchateau den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Beide Male versammelte der Direktor die Schüler und Lehrer der Anstalt, teilte ihnen die Trauerbotschaft mit und widmete den Gefallenen einen Nachruf.

Bei Anloy war auch Herr Oberlehrer Scheerer durch einen Streiffchnß am Hals verwundet worden. Er war nach einigen Wochen wieder hergestellt und trat den Dienst wieder an. Er erhielt am 19. Oktober das eiserne Kreuz und im Februar die hesfische Tapferkeitsmedaille.

Herr Afsessor Graeber wurde im Feld durch allerhöchstes Dekret vom 9. September zum Ohms- lehrer an der hiesigen Anstalt ernannt. Am 24. September wurde er bei Servon durch eine Schrapnellkngel schwer verwundet, kam zur Pflege nach Haus und erhielt am 6. Oktober das eiserne Kreuz. Am 22. Oktober wurde er zum Leutnant der Landwehr befördert und tut seit Januar wieder Dienst.

Herr Oberlehrer Diemer nahm bis Mitte November an allen Schlachten und Gefechten glücklich teil. Da kamen am 22. November die an ihn gerichteteii Schreiben zurück mit deni Vermerk: Vermißt. Seit dieser Zeit fehlt leider jede NachrictJt von ihm.

Herr Referendar Dr. Schmidt wurde am l. Oktober zum Lehramtsassefsor und am B. Dezember zum Leutnant der Reserve befördert. Er war im September leicht verwundet worden und nach seiner Wiederherstellung in die Froiit zurückgekehrt, kam aber bald rheumatismuskrank wieder zurück. Zur Zeit befindet er sich jedoch wieder im Garnisondienft..

Von den übrigen im Feld stehendeti Mitgliedern des Kollegiums befindet sich zur Zeit Herr Ober- lehrer Mulch als Leutnant der Landwehr im Feftnngsbereich Straßburg, Herr Oberlehrer Schimpf als Leutnant der Landwehr bei einer Festnngssanitätskompagnie in den Vogesen nnd Herr Dr. Berg, der am 26. Januar 1915 zum Oberlehrer ernannt wurde, als Ersatzreservist in Antwerpen.

Von unsern Oberprimanern wurden Grieb, Hoddes und Bernhard als im dienstpflichtigen Alter sofort zur Fahiie einberufen. Einer voii ihnen, Theodor Hoddes, ist bereits auf dem Felde der Ehre gefallen. Sie legten nocll im August ihre Notreifepriifung ab, Grieb und Hoddes bei uns, Bernhard an der Oberrealschule Gieße11. Außerdem fanden noch zwei Notreifeprüfungen statt, über deren Ergebnis in der Prüfungsstatistik berichtet ist.

Als Kriegsfreiwillige traten voit unsern Schülern außerdem noch die Untersekundaner Lott nnd Schmidt, der Oberfeknndaner Schäfer nnd die« Unterprimaner Korfmann nnd Weller ein.

Zur Feier errungener Siege fiel zweimal der Unterricht aus. Am 19. Dezember zu Ehren der Siege Mackensens in Poleii und am 13. Februar zii Ehren der Winterschlacht in Masnren. Beide Male wurdeii die Schiiler nach einer Ansprache des Direktors zii Beginii des Unterrichts entlasen.

Die Feier der Geburtstage des Großherzogs und des Kaisers fand in dem üblichen Rahmen der Schule statt. Die Feftrede hielt am 25. November Herr Assessor Zilch über»das Rote Kreuz« nnd am 27. Januar Herr Assessor Engel über»Kaiser Wilhelm und der Weltkrieg««.

Der eigentlichen Reifeprüfnng, mit deren Leitung der Direktor beauftragt war, unterzogen sich die noch übrigen 5 Oberprimaner, die sämtlich von der mündlichen Prüfung befreit wurden.

Stenographie nach Gabelsbeiger wurde wie alljährlich voii Obertmia ab als wahlfreier Unterrichts- gegenstand betrieben. Es besteht außerdem ein Schüler-Stenographenkränzchen an der Schule.

Das Lesezimmer wurde in diesem Jahr mit Rücksicht auf die Kriegsnachrichten in den Zeitungen besonders stark besucht.

Dem Zentralausschuß zur Förderung fiir Volks- nnd Jugendspiele sei bemerkt, daß ein freiwilliger Spielnachmittag nicht eingerichtet ist, daß aber ein Schüler-Fußballllub Von etwa 30 Mitgliederii besteht, der fast jeden Nachmittag spielt. Seit Kriegsartsbruch sind allerdings die Spielnachmittage eingeschränkt worden. Es besteht auch eine Gruppe Wandervögel unter unsern Schülern. Ein Schauturnen, Spielfest oder Wetturneii hat die Schule in diesem Jahr nicht Veranstaltet. Wanderungen fanden in diesem Jahr in allen Klasseii acht statt; davon waren sieben sogenannte Pionatsspaziergänge, 23 stündige Wanderungen am Vormittag unter Ausfall des Unterrichts, dazu kamen als achte die großen Schulausflüge, die bei den drei obersten Klasseii 2, 3 und 4 Tage, bei den übrigeii einen vollen Tag beanspruchten.

Die militärische Vorbereitung der Jugend während des Kriegszustandes hat natürlich auch bei unsern Schülerii den lebhaftesten Anklang gefunden. Sämtliche Schüler unsrer Anstalt voin 16. Lebensjahre an gehöreii den Jugendkompagnien von Alsfeld und Umgebung an.

Für die mancherlei Geschenke, die roir in diesem Jahre dem Wohlivolleii freundlicher Spender verdanken, sagen wir auch an dieser Stelle den gütigen Gebern unsern innigsten Dank.