lv. Beilage:. Der erste Musen-ietzt in der Raumleera
Von Reallehrer Yeyekk.
Wes-—-
Jn dem Lehrplane für die Realschulen des Großherzogthums Hessen findet sich über den- Unterricht in der Raumlehre die kurze Bemerkung:»Die Geometrie beginnt in Kl. V mit- einem Anfchauungsunterrichte. Jm zweiten Semester wird mit der systematischen Planimetrie der Anfang gemacht.« Die Lehrpläne der Gymnasien und Realgt)mnasieii enthalten eine der- artige Anweifuiig nicht. Doch wird auch an diesen Anstalten in den meisten Fälleii der erste Unterricht in der Geometrie ein Anschauungsunterricht sein-) Es ist ja wohl allgemein aner- kannt, daß mit der Methode der alten Schule zu brecheii sei, die»den Anfänger beim Beginn des geometrischen Unterrichts mit einer Fluth von Abstraktionen und Begriffeii übergoß, zu deren Bildung vorher das nöthige Material nicht gesammelt war.«2) Der Schiiler faßte bei dieser Methode eine Menge von Begriffen unrichtig oder im besten Falle verschwommen auf · und war später nicht mehr imstande, dem Unterricht in der richtigen Weise zu folgen. Es-
erschien ihm der Gegenstand an fich eben so trocken, wie er gewöhnlich behandelt wurde.
So bildete sich das ,,Dogma vom besonderen mathematischeii Talent, welches tüchtige Philologen mit einer gewissen Selbstgefälligteit sich absprachen.«3) Selbst in der neuesten Zeit begegnen wir noch in pädagogischen Werteii der Ansicht, daß man theoretisch diese Frage wohl leicht wegthun könne, der Theorie aber entsprächendie Thatsachen nicht-i) Es wird z· V. an- geführt, daß bezüglich des inneren Sehens sich immer ein bedeutender Unterschied unter den Schülern bemerkbar mache,5) als ob bei den sprachlichen Fächern solche Unterschiede sich nicht zeigten. An derselben Stelle finden wir die Bemerkung,»daß bei ausreichender Zeit und tüch- tigem Lehrverfahren die Sätze und Beweise der elementaren Mathematik allen Schülern zu- gänglich gemacht werden können.« Damit wäre indeß im Vergleich zu den sprachlichen Fächern und dem großen Aufwande von Zeit und Mühe doch wenig erreicht. Uebrigens kommt es heutzutage auch nicht mehr so häufig vor, wie früher, daß schlechte Leistungen in der Mathe- matik durch gute Leistungen in Spracheii aufgewogen werden. Nachstehende Tabelle gibt eine vergleichende Uebersicht über die Leistungen der Schüler der Realschule zu Alsfeld in detr sprachlichen und mathematischen Fächern während der Jahre 1879-80 bis 1888J89.
Gleiche Leistungen in Bessere Leistungen in Bessere Leistungen in Summe Sprache und Mathematik. Sprachen. Mathematik. s Anzahl. 1695 383 452 2530 Prozente. 67 Oxo 15,14 Oxs 17,88 Oxo 100
I) Vergl. Wiese, Verordnungen u. Gesetze Berlin 1875 u. Schmeckebier, die preuß. Ministerialverordnungen, Progr. Us, Demmin 1883..
« Progr. 415, Z. ll Remscheid 1881.(
s rogr. 17 G. Tilsit 1883.
« chiller, Handbug der prakt. äda o ik. Leipzig 1886.
s Schiller, Handbu der praktis en ä agogit, etpzig 1886..


