Jahrgang 
1864
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Ueber die Projection der Heelkartenih

vori Neallchrer Götz.

Um zur See auf dem kürzesten Wege von einem Ort zum andern zu ge- langen, müßte man auf einem Bogen eines größten Kreises fahren, was auch wirklich geschieht, wenn beide Orte auf dem Aequator oder auf demselben Meri- dian liegen. Der Schiffer kann in beiden Fällen seine anfängliche Richtung bei- behalten und ist jederzeit im Stande, seinen Ort zu bestimmen, zu welchem Zwecke er blos den von ihm zurückgelegten nnd mit der Logleine gemessenen Weg auf dem betr. Meridian oder dem Aequator seiner Karte nach Meilenzahl anf- zutragen braucht; natürlich muß er diese Ergebnisse Von Zeit zu Zeit durch astronomische Messungeri berichtigen. Anders aber verhält sich die Sache, wenn jene Orte, z. B. M und N, verschiedene Länge nnd Breite haben; der sie verbin-Fig.1. dende größte Kreis schneidet die auf einander folgenden Meridiane nicht mehr unter gleichem Winkel und man müßte, um auf ihm zu bleiben, fortwährend die Richtung ändern. Da dieß nicht wohl thunlich ist, so segelt der Schiffer eine Zeit lang nach dem anfänglich-en Curs fort, kommt aber dadurch, daß er alle von ihm passirten Meridiane unter gleichem Winkel schneidet, vom kürzesten Wege ab· Von M unter dem Winkel a, den der größte Kreis M N mit dem durch M gehenden Meridian bildet, fortsegelnd, würde er nach 0 gelangen; nimmt er dort den Curs wieder direct gegen N unter dem Winkel b, sowiederholt sich derselbe Vorgang- indem er von der Richtung 0 N ab nach R geräth, bis er endlich nach mehrmaligem Richtungsroechsel seinen Bestimmungsort N erreicht. Wenn ein Schiff beständig unter demselben Winkel a gegen alle Meridianefortfiihre, so wäre sein Weg eine dem Pol zustrebende Spirale"), welche den Namen Loxodrome führt, d. h. Linie des schiefen Laufs. Da nun nach Obigem der Lauf eines Schiffes aus lauter Stücken solcher Kugelspiralen besteht, so muß der See- mann zur Bestimmung seines Orts immer erst die von ihm befahrene Loxodrome auf der Karte verzeichnen, um seinen Weg darauf abzutragen. Die Conftruction derselben ist aber auf allen Karten mit convergenten Meridianen sehr mühsam, und man benutzt deßhalb zur See Karteti mit parallelen Meridianen, weil ruf ihnen jede loxodromische Linie eine Grade ist. Wie die Netze der älteren See- karten beschaffen waren, zeigt Figur Die Meridiane sind parallel, senkrechtFig.2.« auf den Breitekreisen und die Grade auf letzteren überall ebensogroß als die aus

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«) Aus einer größeren Arbeit über die Theorie der Kartenprojeetionen «) Jst der Winkel a: 900, so beschreibt das Schiff keine Sptrale, sondern bewegt sich

auf einem Parallcltreis. Jst