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wirthe, Handelsleute ꝛc., welche ſich damit entſchuldigen, daß ihre Kinder, Verwandte oder Dienſtboten den Seminariſten Unerlaubtes geholt und beſorgt hätten, oder welche überhaupt ſich nur damit entſchuldigen wollen, daß ſie nichts von dem wüßten, was in ihrem Hauſe vorgegan⸗ gen iſt.
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4. Geſundheitszuſtand.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war ſehr befriedigend, wozu Turnübungen, Spazier⸗ gänge, Baden und Arbeiten im Sommergarten weſentlich beitrugen. Hier muß ich auch die Thätigkeit des H. Medicinalraths Dr. Thewalt rühmend erwähnen, der nach einem zwiſchen ihm und dem Seminardirektor abgeſchloſſenen, von Herzoglicher Landesregierung genehmigten Contrakt die ärztliche Behandlung der Seminariſten beſorgt, zu geeigneten Zeiten Generalviſita⸗ tionen vornimmt, die Lebensordnung der Schüler in medicinaldisciplinariſcher Hinſicht überwacht, die Krankenpflege der Anſtalt unter ſeiner Obſorge hat, den Schülern der J. Kl. gegen Ende des Winterſemeſters in etlichen Lehrſtunden die erforderliche Anleitung gibt zur dringenden augenblick— lichen Pflege Erkrankter vor Herbeiſchaffung eines Arztes, zur Behandlung von Scheintodten und plötzlich Verunglückten ꝛc.
Der Geſundheitszuſtand der Lehrer war im Ganzen gleichfalls ſehr befriedigend; nur der Seminarlehrer Hartmann war durch Krankheit einige Wochen ſeiner Lehrerwirkſamkeit entzogen. Seine Stunden, wie die wenigen Stunden, welche der eine und andere der übrigen Lehrer aus— ſetzen mußte, wurde in collegialiſchem Zuſammenwirken von den andern Lehrern der Anſtalt ge— geben.
II. Chronik.
Die Concursprüfung zur Aufnahme katholiſcher Schuladſpiranten wurde am 18. und 19. April abgehalten. Gemeldet hatten ſich 23 für die III. und 2 für die II. Kl. Von den Erſteren beſtanden 14 die Prüfung; bedingungsweiſe wegen mangelhafter Vorbildung in der Muſik wurden aufgenommen 3, alſo im Ganzen 17. Zurückgewieſen wurden als zu alt und dazu mangelhaft vorgebildet 2, wegen ganz mangelhafter Vorbildung 4, alſo im Ganzen 6. Die für die II. Kl. Geprüften wurden aufgenommen. In der zweiten Hälfte des Auguſt machte ein früherer Schüler der I. Kl. die Prüfung zur Wiederaufnahme in dieſe Klaſſe; er trat jedoch nicht ein, da ihm die Wiederaufnahme nach Ergebniß der Prüfung nur bedingungsweiſe werden konnte.
Das Schuljahr wurde am 16. Mai v. J. eröffnet, die Herbſtferien dauerten vom 18. Sep⸗ tember bis 17. October, die Weihnachtsferien vom 23. December bis 3. Januar. Sommer⸗ und Winterſemeſter wurde eröffnet mit Gottesdienſt, dem alle Lehrer und Schüler beiwohnten. Hierauf war Cröffnung im Schulſaal mit Choralgeſang, Gebet, Mittheilung der Schulgeſetze und Anſprache des Direktors an die Lehrer und Schüler.
In Bezug auf die Cenſur der Schüler erlaube ich mir hier folgende Mittheilung. In einer Lehrerconferenz wurden bisher jedes Quartal die Noten der Schüler in Fleiß, Betragen und Kenntniſſen feſtgeſtellt. Darauf hielt der Director in Gegenwart aller Lehrer an die im Schulſaal verſammelten Schüler, nachdem der Religionslehrer dieſen Act mit einem Gebet eröff⸗ net, eine Anſprache, worin er über den ſittlichen und wiſſenſchaftlichen Geiſt der Schüler im abgelaufenen Quartal Rechenſchaft gab und die geeigneten Lehren und Ermahnungen anknüpfte. Hierauf begaben ſich die Schüler in ihre Klaſſen, wo dann der Direktor wieder in Gegenwart der Lehrer jedem Einzelnen ſeine Cenſur mittheilte und die Rangordnung bekannt machte. Dieſe


