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Schulnachrichten des Seminars zu Montabaur
vom Schuljahre 186 vom Seminardirector J. Kehrein.
I. Lehrverfaſſung. 1. Lehrerkollegium.
Im Lehrerperſonal des Seminars iſt gegen Schluß des vorigen Schuljahres eine Ver⸗ änderung dadurch eingetreten, daß Herr Seminarlehrer Gaſſer den ehrenvollen Ruf als Ober⸗ lehrer nach Frankfurt a. M. angenommen hat. Bei ſeinem Scheiden hat ihm der Director den Dank der Anſtalt für ein zehnjähriges thätiges Wirken ausgeſprochen; möge Herr Gaſſer in ſeiner neuen Stellung Glück und Zufriedenheit in vollem Maße finden! Herr Meiſter, der ſeit einer Reihe von Jahren als Hilfslehrer hier mit rühmlichem Fleiße gewirkt, wurde zum Seminarlehrer definitiv ernannt. Zur Aushilfe bei dem Unterricht am Seminar wurde Herr Elementarlehrer Zirvas von Hochheim hierher dirigirt.— Herr Elementarlehrgehilfe Kramer, der über 1 ½ Jahren den Zeichenunterricht am Seminar mit Fleiß und Umſicht ertheilt, iſt bei dem Eintritt des neuen Lehrers von dieſem Amte entbunden worden.
Die zur Zeit am Seminar wirkenden Lehrer ſind: der Direktor Joſeph Kehrein ¹); 2) der Seminarlehrer Peter Müller, Religionslehrer; 3) der Seminarlehrer Heinrich Hart⸗ mann; 4) der Seminarlehrer Karl Severin Meiſter 2²), Muſiklehrer; 5) der Elementarlehrer Jakob Zirvas 3).
2. Unterricht.
Im Lehrplan des Seminars ſind bedeutende Aenderungen eingetreten. Ich ſtelle die wichtigſten Verfügungen Herzogl. Behörden ihrem Hauptinhalte nach hier zuſammen. 1) Durch Herzogl. Reſeript ad Num. 17,589 vom 8. Mai 1856 iſt die Zahl der von
¹) Von demſelben ſind im Laufe des Schuljahres im Drucke erſchienen: 1) Schulgrammatik der deutſchen Suußhe Leipzig, Verlag von O. Wigand, 1856, 8. 2) Abhandlungen und Recenſionen in verſchiedenen eitſchriften. 2) Von ihm iſt unter der Preſſe: Kleine praktiſche Modulationsſchule, zum Gebrauch in Lehrerſemina⸗ rien, Präparandenanſtalten ꝛc.
.3²¹) Der Sitte gemäß folgt hier ein kurzer Lebensabriß. Jakob Zirvas, geb. 7. Novemb. 1811 zu Hübingen Amts Montabaur, beſuchte das Seminar zu Idſtein, wurde am 1. Mai 1832 Lehrvicar zu Oellingen A. Marienberg, am 1. Oct. 1835 Lehrvicar zu Görgeshauſen A. Wallmerod, am 1. Juli 1837 Mädchenlehrer und Organiſt zu Villmar A. Runkel, am 1. October 1843 Knabenlehrer und Organiſt zu Langenſchwalbach, am 1. April 1845 auch Hilfslehrer an der Realſchule daſelbſt, am 1. Juni 1848 auch Zeichenlehrer an der⸗ ſelben, bekleidete gleichzeitig die Stelle eines Muſik⸗ und Geſanglehrers in dem daſigen proviſ. Seminar für iſraelitiſche Religionslehrer und die eines Zeichenlehrers an der Gewerbeſchule, und war dann ſeit 1. Juni 1851 Knabenlehrer und Organiſt zu Hochheim, zugleich Zeichenlehrer an der daſigen Gewerbeſchule.


