Aufsatz 
Anleitung zur Behandlung taubstummer Kinder von ihrem ersten Alter bis zum Eintritt in die Taubstummenanstalt für Eltern, Lehrer und Geistliche / Abhandlung des Taubstummenlehrers Priester zu Camberg
Entstehung
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II. Chronik.

In der am 25. und 26. April vorigen Jahres ſtattgehabten Concursprüfung erlangten von den 23 erſchienenen Aſpiranten 20 die Aufnahme in die dritte Seminarklaſſe.

Am 23. Mai wurde das Sommerſemeſter feierlich eröffnet und ununterbrochen bis zum 22. September fortgeführt, an welchem Tage die öffentliche Herbſtprüfung unter dankenswerther Anweſenheit der hieſigen Geiſtlichkeit, Lehrerſchaft und anderer Schulfreunde gehalten wurde.

Das Geburtsfeſt Seiner Hoheit, unſeres theuern Herzogs, wurde dießmal mit ſtiller Weh⸗ muth von der Anſtalt gefeiert, und zwar als ſchulfreier Tag mit außergewöhnlicher Feſtandacht unter Function des Directors; wie denn auch ſofort nach Eingang der Trauernachricht vom Hinſcheiden Ihrer Königlichen Hoheit der verwittweten Frau Herzogin durch den Director eine gemeinſame Trauerandacht vollzogen worden war.

Das Winterſemeſter begann den 22. October und erfuhr die einzige Unterbrechung durch die vom 23. December bis 3. Januar dauernden Weihnachtsferien.

Das Kirchweihfeſt der hieſigen Gemeinde feierten, wie früher, die Lehrer und Zöglinge, un⸗ ter wohlthuender Anweſenheit der hieſigen Geiſtlichkeit, mit einem heiteren Abende geſelligen Bei⸗ ſemmenſeins im Speiſeſaale, wobei die Zöglinge vom Schloßhofe aus einen ſelbſtgefertigten Luft⸗ ballon ſteigen ließen.

Deßgleichen veranſtaltete das Seminar unter der meiſterhaften Fürſorge und Leitung des Herrn Muſtiklehrers Feye zwei Winterconcerte, von denen das erſte zugleich eine Chriſt⸗ beſcheerung an arme, aber brave Elementarſchüler der Stadt bewerkftelligte.

In der Mitte des Sommer⸗ und Winterſemeſters hielt der Director unter Anweſenheit

des Lehrercollegiums eine feierliche, mit beſonderer Andacht verbundene Cenſur über ſämmtliche Zöglinge. Die Paſſionszeit wurde gebührend mit beſonderen Paſſionserbauungen ausgezeichnet. Am Sonntage des 1. Advents feierte die Anſtalt mit der hieſigen Gemeinde das heilige Abend⸗ mahl. 9 Durch Reſcript Herzoglicher Landesregierung vom 30. September 1856 iſt für die Zukunft die in früherer Zeit üblich geweſene Prüfung der vierzehnjährigen Aſpiranten am Seminare wie⸗ der in das Leben gerufen. Eine beigegebene eingehende Inſtruction regelt dieſelbe und bezeich⸗ net mit aller Umſicht den geſammten Bildungsgang der Präparanten, bringt auch die Concurs⸗ prüfung der ſechszehnjährigen Aſpiranten zu einer zweckentſprechenderen Geſtalt, ſo daß hierdurch die um den Volkslehrerſtand eifrigſt beſorgte Herzogliche Regierung dem Vaterlande eine neue Garantie zur Erlangung tüchtiger Volksjugendbildner geboten hat.

Nicht minder verdient es eine dankbare Erwähnung vor der Oeffentlichkeit, daß hohe Re gierung durch Reſcript vom 15. Januar 1857, hinſichtlich der Semeſtral- und Abgangszeugniſſe, ſowie hinſichtlich der Cenſur der Seminariſten neue Beſtimmungen an das Seminar hat gelan⸗ gen laſſen, wornach die einzelnen Lehrgegenſtände, gemäß ihrer Bedeutung für den künftigen Beruf des Seminariſten mehr oder minder geſchätzt, das Prädicat des Betragens aber für ſich allein ſchon durchſchlagend für die Geſammtwürdigung des Zöglings betrachtet werden ſoll.

Als Stipendiengelder zur Vertheilung an bedürftige brave Zöglinge wurde in dieſem Jahre die Summe von 711 fl. huldreichſt verliehen und nach Vorſchlag des Lehrercollegiums vertheilt.

III. Statiſtik.

Die Geſammtzahl unſerer Zöglinge betrug in dieſem Schuljahre 58, von denen 21 der erſten, 17 der zweiten, 20 der dritten Klaſſe angehörten. Zur Vermehrung der Seminarbibliothek wurden 125 fl. verwilligt und verwendet, 6*