Aufsatz 
Anleitung zur Behandlung taubstummer Kinder von ihrem ersten Alter bis zum Eintritt in die Taubstummenanstalt für Eltern, Lehrer und Geistliche / Abhandlung des Taubstummenlehrers Priester zu Camberg
Entstehung
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1. Kl. 2 St. in 2 Abtheilungen. Choräle, Vor⸗ und Nachſpiele; mit den Geübteren größere Tonſtücke für die Orgel. Belehrung über den Bau und die Behandlung der Orgel, insbeſondere Anleitung zum zweckmäßigen Regiſtriren.

Außerdem übten ſich die Zöglinge aller Klaſſen regelmäßig privatim auf der Orgel bei den Morgen⸗ und Abendandachten, ſowie bei dem öoffentlichen Gottesdienſte, wo die Seminariſten der erſteft Klaſſe abwechſelnd die Orgel ſpielten.

3. Clavier.

II.. Kl. 2 St. in 2 Abtheilungen. Clavierſtücke, der Fertigkeit des Einzelnen entſprechend. Il.& J. Kl. Deßgleichen.

4. Violinſpiel. I., II.& l. Kl. jede 1 Stunde woͤchentlich.

Die im Laufe des Jahres abgehaltenen Concerte gaben den Seminariſten zur wei⸗ teren Ausbildung in der Vocal⸗ und Inſtrumentalmuſik Gelegenheit. Feye.

d. Turnen.

Von den beiden Turnabtheilungen turnte jede wöchentlich im Sommer 2 Stunden. Breidenſtein. 3. Diseiplin.

Der disziplinariſche Zuſtand des Seminars muß von dem geſammten Lehrercollegium mit Dank gegen Gott als ein wohl genügender bezeichnet werden, weil Fleiß, willige Folgſamkeit, Offenheit und Vertrauen zu den Lehrern entſchieden die Herrſchaft haben, und weil, wenige Uebereilungs⸗ oder Vergeſſenheitsvergehen Einzelner abgerechnet, eigentliche Beweiſe ſittlicher Ent⸗ artung im Schuljahre durchaus nicht zur Erſcheinung gekommen ſind.(Ein derartiger noch vor Abſchluß des vorigen Schuljahres vorgekommener Fall zog unnachſichtlich ſofortige Wegweiſung nach ſich.) Insbeſondere muß hier noch öffentlich von unſern Zöglingen rühmend anerkannt werden, daß jeweilige Disciplinarſtrafen ſtets mit geduldigem Sinne hingenommen worden ſind,

ohne daß das freundliche pädagogiſche Verhältniß zwiſchen Lehrer und Zögling dadurch eine Störung erfuhr.

4. Geſundheitszuſtand.

Leider hat derſelbe im verfloſſenen Jahr einen ernſten Stoß erlitten. Während der Som mermonate Juli und Auguſt hatte ſich auf die Anſtalt eine drohende Nervenfieberepidemie gela⸗ gert, wovon 17 internirte Zöglinge und die Seminarmagd ergriffen wurden. Fünf Zöglinge lagen ſchwer, zwei derſelben lebensgefährlich darnieder. Alle aber genaſen endlich mit Gottes Hülfe völlig. Die Anſtalt hat die Heimſuchung pflichtmäßig zu ihrem Frommen zu nützen ge⸗ wußt. Auch muß die eifrige, umſichtige rationale Fürſorge des Seminararztes, Herrn Me⸗ dicinalraths Dr. Cuntz dahier, dankend anerkannt werden. Während des Winterſemeſters kamen ernſtliche Erkrankungen der Zoöglinge nicht vor, nur trat kurze Zeit die ſ. g. Mumps epidemiſch im Internate auf. Vor Schluß des Sommerſemeſters erkrankte zum herzlichen Bedauern der An⸗ ſtalt Herr Lehrer Breidenſtein, kehrte aber zu Ende der Herbſtferien mit gewohnter Rührig⸗ keit wieder auf ſein Arbeitsfeld zurück; die während ſeines Krankſeins vacant gewordenen Lehr⸗ ſtunden wurden bereitwilligſt vom geſammten Lehrercollegium übernommen.