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Hier gilt es die Erhaltung der Sprache.
Nicht ſelten ſind dieſe Fälle, finden aber ſelten die richtige Behandlung. In kurzer Zeit verliert ein ſolches Kind die Gewandtheit und Deutlichkeit im Sprechen; ſein Sprachkreis verengert ſich und verſchwindet nach und nach ganz. Wodurch ſind dieſe traurigen Folgen zu verhüten?
1) Man bringe das Kind alsbald in die Taubſtummenanſtalt. Die vorhandene Sprech⸗ fertigkeit wird hier möglichſt erhalten werden. Erlauben dies Alter und Körperſtärke jedoch noch nicht, ſo halte man es
2) an, alle ſeine Mittheilungen laut ſprechend zu machen. Ihm verbiete man alles Deuten, wo es ſprechen kann. Zugleich halte man nicht nur auf beſtimmte, deutliche Ausſprache, ſondern auch thunlichſt auf vollſtändige Sätze.
3) Man unterhalte ſich oft in dieſer Abſicht mit ihm, nehme, wenn der Stoff über ge⸗ genwärtige Dinge und Verhältniſſe erſchöpft iſt, Bilder zu Hilfe und laſſe es alles benennen und beurtheilen. Fragen ſtelle man laut ſprechend in Begleitung der ent⸗ ſprechenden Geberde.
4) Jeden in Einem Worte noch möglichen Laut muß man auch in allen andern Wörtern mit Strenge fordern.
Im Uebrigen gilt von ihm, was auch über Erziehung und Unterricht von Taubgeborenen
oder vor dem Sprechenlernen Taubgewordener geſagt iſt.
b. Schreiben.
Wenn beim Sprechunterrichte die Hoffnung nicht groß iſt, daß im Allgemeinen viel darin für die Vorbildung taubſtummer Kinder für die Anſtalt geſchehen werde; ſo iſt dieſelbe beim Schreiben deſto größer. Das taubſtumme Kind lernt das Schreiben eben ſo leicht, wie das vollſinnige. Es iſt alſo für den Lehrer keine beſondere Mühe damit verbunden. Eine dan⸗ kenswerthe Vorbildung iſt es aber deſſen ungeachtet, indem im Inſtitut dann die dadurch ge⸗ wonnene Zeit auf andere Gegenſtände verwendet werden kann, auch das taubſtumme Kind da⸗ durch an eine unterrichtliche Behandlung gewöhnt wird.
Mich jeder beſondern Anleitung enthaltend, bemerke ich nur, daß man auf gute Haltung und Führung des Griffels und ſpäter der Feder ſehen möge, da hiervon eine gefällige, fließende Schnellſchrift abhängt. Bei dem Taubſtummen, der in ſeiner Schule und in ſeinem ſpätern Leben verhältnißmäßig viel ſchreiben muß, kommt es viel auf eine fließende, leſerliche Schnell⸗ ſchrift an. Auch verſäume man ja nicht, das Kind mit Kreide ſchreiben zu laſſen, da auch dieſe Uebung ihm in der Anſtalt ſehr zu gute kommt.
c. Zeichnen.
Zu einer nützlichen Beſchäftigung des taubſtummen Kindes in der Schule, wenn der Lehrer ſich nicht beſonders ſeiner annehmen kann; zur Abwechslung, um es vor Langweile und Un— thätigſein zu ſichern; zur Erregung beſtimmterer Anſchauungen und Vorſtellungen; zur Uebung der Hand und des Auges dient das Zeichnen. Einmal angeregt und ſich der Fähigkeit bewußt, zeichnend Etwas darſtellen zu können, wird das taubſtumme Kind auch im elterlichen Hauſe häufig zu dieſer Unterhaltung greifen und ſich ſpielend üben und fördern. 1
Ich denke hierbei vorzugsweiſe an das Zeichnen leichter Umriſſe, zuerſt geradliniger, dann krummliniger Figuren, ſoweit dieſelben dem Kinde bekannte Dinge darſtellen. Mit wenigen Strichen kann man ihm ein Lineal, eine Leiter, ein Haus, einen Stern, eine Peitſche, eine Fahne, einen Brief, ein Fenſter, eine Schiefertafel, einen Wegweiſer, ein Kreuz ꝛc. groß und deutlich an die Tafel oder auf die Schiefertafel vorzeichnen. Mit um ſo größerem Vergnügen


