Aufsatz 
Anleitung zur Behandlung taubstummer Kinder von ihrem ersten Alter bis zum Eintritt in die Taubstummenanstalt für Eltern, Lehrer und Geistliche / Abhandlung des Taubstummenlehrers Priester zu Camberg
Entstehung
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Damit keiner der Vocale näſele, darf die Zunge nicht zu ſehr zurückgezogen werden. Auch achte man wohl auf eine gleiche und wohlklingende gewöhnliche Tonhöhe au, ai ä= ei, äu ä= eu. au iſt nur eine Verſchmelzung von a und u, ei von a und i, ſowie eu= äu von einem Zwiſchenlaute aſo und i. Man ſchreibe nur die betreffenden Laute nebeneinander, laſſe

ſie abwechſelnd, erſt langſam, dann ſchneller nach einander ausſprechen, bis ſie zuſammen⸗ fließen. ä, ö, ü.

ä hat die Mundſtellung von a und die Zungenlage von ez ö hat die Lippenſtellung o und die Zungenlage e; ü dagegen erſcheint, wenn die Stimme in der Lippenſtellung u und der Zun⸗ genlage i ertönt. p, t, k, b, d, g.

p und t, zuweilen auch k werden gewöhnlich vom Taubſtummen alsbald nachgebildet, wenn man ihn die richtige Mundſtellung ſehen und das Ausſtoßen der Luft fühlen läßt. Man laſſe anfangs die Lippen bei p, die Zunge an der obern Zahnreihe bei t, die Zungenwurzel an den Gaumen bei k recht feſt anſchließen, den Athem etwas anhalten und dann plötz⸗ lich ziemlich ſtark entfahren, um die beſtimmte Abſicht dieſer Thätigkeiten anſchaulicher zu machen, als es nach Art der natürlichen, fließenden Ausſprache geſchehen würde. Erſcheint k nach dieſem Verſuch nicht; ſo drücke man die Zungenſpitze etwas zurück, ſpreche t vor und die Zunge muß mit dem Laute k an den Gaumen anſchlagen. Nach einiger Wiederholung wird das Kind auch ohne Nachhülfe k ausſprechen. b, d, g, letzterer als Anlaut, werden ebenſo nur mit faſt unmerklichem Luftdruck erzeugt. Man ſtelle p und b, t und d, k und g neben⸗ einander und übe ſie ein.

f(v, ph, pf), ſ(s, 5), ch(9).

Man gibt zuerſt nur ein Zeichen für den Laut, ſpäter auch die übrigen.

f erſcheint bei natürlichem Vorſprechen meiſtens ſogleich. Man laſſe bei breiter Lippenlage die obern Zähne nur ſanft auf der wenig eingezogenen Unterlippe ruhen. Bei f laſſen die brei⸗ ten, etwas geöffneten Lippen, die loſe aufeinander geſetzten Zähne und leiſe angelegte Zungen⸗ ſpitze die Luft ziſchend entweichen.

Soll der Laut ch(= g nach e, i, ei, eu, ä, ö, ü und einem Mitlaute) erſcheinen, ſo halte man dem Kinde, wenn derſelbe auf's Vormachen nicht erfolgt, in der Lippenlage ſ, mit etwas geöffneten Zähnen, die Zungenſpitze hinter der unteren Zahnreihe nieder und laſſe es dann leicht ausſtoßen.

w, ſch, ch(9). w. Die leicht aufeinander gelegten Lippen blaſen. ſch. Bei nicht zu ſehr vorwärts geſtreckten, geöffneten Lippen, leicht getrennten Zahnreihen, wenig zurückgezogener Zunge läßt man die Luft herausziehen. Man kann ſich ſtellen, als ob man Hühner jage. ch.(= g nach a, o, u und au). Die Mundſtellung und der tonloſe Hauch iſt wie bei hz nur hebt ſich die Zungenwurzel gegen den Gaumen, geſtattet darum der Luft nicht den freien Hauch und macht die Zungenwurzel und die Kehle erzittern. Der Lehrer laſſe den Schüler die herausſtrö⸗ mende Luft und das Zittern am Halſe fühlen, ſuche aber den leicht entſtehenden Ton zu verhindern. Ebenfalls tonlos, wie alle voranſtehenden Mitlaute entlocke man l und r. Die Erfahrung hat mich vielfach von dem Nutzen der tonloſen Einübung dieſer Laute überzeugt. Im entgegengeſetzten Falle tönt gar zu leicht die Stimme vor oder nach der Bewe⸗

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