Aufsatz 
Anleitung zur Behandlung taubstummer Kinder von ihrem ersten Alter bis zum Eintritt in die Taubstummenanstalt für Eltern, Lehrer und Geistliche / Abhandlung des Taubstummenlehrers Priester zu Camberg
Entstehung
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Anleitung

zur Behandlung taubſtummer Kinder von ihrem erſten Alter bis zum Eintritt in die Taubſtummenanſtalt für Eltern, Lehrer und Geiſttliche.

Einleitung.

J. erfreulicher die Thatſache iſt, daß mehr und mehr die Verpflichtung und Bildung der Taubſtummen allgemeine Anerkennung und Erfüllung findet, deſto freundlicher dürfte wohl Nach⸗ ſtehendes aufgenommen werden; je reicher man aber im Umgange mit Taubſtummen an Erfah⸗ rung wird, deſto ſchonender wird man ſie, ihren Unterricht und Bildungsſtand, deſto nachſichtiger auch dieſe Anleitung beurtheilen. Der Verſaſſer wendet ſich darum mit Vertrauen an diejenigen geehrten Leſer, welche Taubſtumme kennen, und mit der aufrichtigſten Erklärung, weit von dem Glauben entfernt zu ſein, durchaus Wichtiges geſagt zu haben, an alle die, welche weniger mit der Sache vertraut ſein möchten. Letztere mache ich noch darauf aufmerkſam, daß Manchem Manches, wie überhaupt in der Kindererziehung, ſo beſonders bei Taubſtummen, als zu unerheblich erſcheinen mag, was bei aller Einfachheit in der That Wichtigkeit hat. Wenn irgend ein Un⸗ terricht mit dem Einfachen beginnen und zum Zuſammengeſetzten fortſchreiten muß, ſo muß es der Taubſtummenunterricht. Wie vielmehr wird alſo hier, wo es nur auf die Vorbereitung eines taubſtummen Kindes in die Taubſtummenanſtalt abgeſehen iſt, von dem Einfachſten die Rede ſein müſſen.

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1. Warum ich mich an Eltern, Lehrer und Geiſtliche wende.

Es gilt den taubſtummen Kindern, die noch im elterlichen Hauſe ſind. Die Eltern aber ſind die erſten und natürlichſten Lehrer der Kinder. Schon das unbegrenzte Vertrauen, die Hin⸗ gebung und Zuneigung zu Vater und Mutter macht ihre Einwirkungen am erfolgreichſten. Darum wende ich mich zuerſt und zumeiſt an eüch, Eltern taubſtummer Kinder. Den Einreden und der vorurtheilsvollen Erklärung, als könntet ihr einen ſo künſtlichen Unterricht nicht vor⸗ nehmen, der ſchädlichen Anſicht, als ſeien gehörloſe Kinder in ihrem vorſchulzeitigen Alter keiner Unterweiſung fähig, will ich mit gegenwärtigem zu begegnen ſuchen. Es wird ſich zeigen, daß alle Eltern es vermögen, mit großem Segen auch auf ihre unglücklichen, taubſtummen Kinder

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