Aufsatz 
Festspiel zur Einweihung des neuen Hauses der Viktoria-Schule und des Lehrerinnen-Seminars in Darmstadt / Dichtung von C. Keil, Musik von W. Petr
Entstehung
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Am 7. Auguſt erreichten die beiden Reiſenden Antwerpen. Hier verweilten ſie zunächſt als Gäſte bei Greſham, der ihnen überaus liebenswürdig entgegenkam und ſie mit Geld verſah. ¹) Der engliſche Agent fand, daß Cecils Sohn ſehr gut franzöſiſch ſprach, und ſpäter verſicherte er den Vater, er habe Thomas während ſeines Aufenthalts in Antwerpen keinen Pfennig unnötig ausgeben ſehen. ²) Auch Windebanks Urteil über ſeinen jugendlichen Gefährten hatte ſich geändert. Er hegte jetzt das Vertrauen, dieſer werde dem Vater jetzt beſſer gefallen als ehemals, jene kleine Thorheit werde dazu dienen, ihn klüger zu machen. ³)

Auf Wunſch Cecils begleitete Thomas mit ſeinem Mentor den engliſchen Geſandten Knolles auf ſeiner Reiſe an verſchiedene proteſtantiſche Höfe Deutſchlands.¹) Bei dieſen Beſuchen wurden die Engländer allenthalben überaus ſreundlich und gaſtlich aufgenommen. Die Königin Eliſabeth ſtand bei den Fürſten Deutſchlands in ſo hohem Anſehen, daß ſie ihre Gegner nicht zu fürchten brauchte.*) Der junge Thomas ſah auf dieſe Weiſe Heidelberg, Leipzig, Weimar und Koburg. Am 8. Oktober trafen die Engländer zum zweitenmal in Marburg ein. Bei ihrem erſten Beſuch hatten ſie den Landgrafen, der krank war und an Zahnweh litt, nicht geſehen. Diesmal wurde die erbetene Audienz erteilt. Dazu wurden ſie, wie auch früher, auf das reichlichſte mit Lebensmitteln verſehen. Der Landgraf ſchickte ſeinen Gäſten ein ſtattliches Gefäß Wein, Fiſche, Hecht und Karpfen, einen Wildeber, einen halben Hirſch, wildes Geflügel, Ochſen- und Hammelfleiſch und 4 Säcke Hafer. Von Marburg ging die Reiſe nach Darmſtadt, wo Knolles mit dem Herzog von Würtemberg eine Unterredung hatte, und von hier nach Frankfurt zur Wahl des römiſchen Königs. ⁰²) Dort ſah Thomas Cecil die Pracht einer Königswahl, die Fürſten mit ihrem ſtattlichen Gefolge, von deſſen Anzahl ſich die Reiſenden einen genauen Begriff machen konnten, da der Marſchall des Kurfürſten von Sachſen Windebank erzählte, er habe als Quartiermacher für die Unterkunft von 9317 Pferden zu ſorgen.*)

Den Winter 1562/63 verbrachte Thomas in Straßburg. Dort konnte er wenigſtens das Franzöſiſche weiter üben durch den täglichen Beſuch der franzöſiſchen Kirche. Zuweilen machte er auch mit Knolles der Frau de Roy, der Schwiegermutter des Prinzen Condé, ſeine Aufwartung. Im übrigen aber ſchien Deutſchland nicht der geeignete Platz für die weitere Ausbildung eines Gentleman.) Vater Cecil plante noch, den Sohn nach Italien zu ſchicken, damit er auch die Sprache dieſes Landes erlerne.)

Der getreue Windebank hielt dieſe Abſicht auch für empfehlenswert, aber er weigerte ſich ſtandhaft, das Amt eines Reiſebegleiters auch noch ferner und beſonders in Italien beizubehalten. In Frankreich hatte er genug mit ſeinem Zögling ausgeſtanden, und die Gefahren der Verführung ſchienen ihm in Italien noch weit größer. Bedenklich ſchien ihm auch die große Hitze des Landes und Thomas' Begierde nach Obſt, die, wie in Frankreich, leicht wieder Erkrankungen verurſachen konnten. Unter dieſen Umſtänden erklärte er ſich außer ſtande, die Obhut des jungen Herrn zu übernehmen, zumal er mit dieſem zu bekannt war. Ein weiſer und ehrbarer Mann war aber als Begleiter zweifellos nötig, damit nicht etwa in Italien der Sinn des jungen Mannes der von dem Vater geplanten Heirat entfremdet wurde. Windebank empfahl darum wiederholt einen Herrn Nowell, der die Fähigkeit für ein ſolches Amt in weit höherem Maße als er ſelbſt beſitze. ¹⁰)

Indeſſen ſowohl Windebank als Herr Thomas ſehnten ſich nach Hauſe, ſie waren beide des Umherreiſens müde. ¹¹) Das veränderte Betragen des Sohnes hatte den Vater umgeſtimmt, und der junge Cecil fühlte ſich überaus glücklich über dieAusſöhnung mit einem ſo guten Vater. ¹²) Die Reiſe nach Italien unterblieb denn auch. Der Tod des jüngſten Sohnes von Cecil beſchleunigte die Rückkehr. Ende Januar 1563 traf Thomas wieder in Antwerpen ein, viel begieriger die Heimat und den Vater zu ſehen, als noch einmal nach Deutſchland zu gehen.**§) Am 8. Februar erfolgte darauf die Abreiſe von Antwerpen nach London ¹⁴) und ſomit der Abſchluß einer Zeit, in welcher Eliſabeths berühmter Miniſter ganz beſonders durch Sorgen wegen ſeines AÄlteſten bedrückt wurde.

1) S. 230/31, Wind. a. Cec. 9. Aug.; S. 253, Thom. Cec. a. s. Vater 17. Aug.

²) S. 229 u. 260, Gresham a. Cecil, 8. u. 22. Aug. 3) S. 230. 4) S. 253, Thomas Cecil a. d. Vater 17. Aug.

5) S. 384, Wind. a. Throck. 22. Okt. 6) S. 387 90, Knolles& Mundt a. Elisabeth 23. Okt. 1562.

2) S. 384, Wind a. Throck. 22. Okt.; S. 470. Knoll. a. Cec. 18. Nov. 8) S. 604, Wind. a. Cecil, 28. Dez. 1562. 9) St. P. Dom. 1547 80, 211 54. 1⁰)§. 465, 539 u. 578, Wind. a. Cecil 18. Nov., 12. u. 20. Dez. 11) S. 604, Wind. 28. Dez.

) S. 392, Thomas Cec. a. W. Cec. 23. Okt. 13) St. Papers, Dom. 1547 80. S. 216, 13; 217, 38.

14) Cal. of St. P. For. 1563, S. 110, Clough to Challoner 4. Februar.

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