Aufsatz 
Festspiel zur Einweihung des neuen Hauses der Viktoria-Schule und des Lehrerinnen-Seminars in Darmstadt / Dichtung von C. Keil, Musik von W. Petr
Entstehung
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Anftritt 3.

(Chor der Mädchen, die den Reigen aufführen, tritt ſingend ein.) Schlinget den Reigen! Schweſtern herbei! Laſſet uns zeigen,

Was wir erreichen Friſch, fromm und frei! Fröhliche Weiſen Klingen in's Ohr. Schlinget den Reigen In muntrem Chor!

(Sie tanzen einen einfachen Reigen und ziehen ſich dann nach dem Hintergrund zurück.)

Darmſtadia. So ſeh' ich's gern! Das iſt ein fröhlich Singen, Das iſt ein friſches, munteres Beginnen, Und frei bewegen ſich beim Klang der Lieder Und ungezwungen die verſchlungnen Glieder. Ein Jedes achtet auf den Takt der Töne, Daß der Erfolg die treue Arbeit kröne. Ich grüße Dich in feſtlich ſchöner Stunde, Du Turnkunſt! Reihe fröhlich Dich dem Bunde Des Schönen. Laſſe Dir's in dieſen Hallen Sie ſind Dir offen immer wohlgefallen! Wer aber ſind die anderen Geſtalten, Mit ernſtem Blick und doch ſo freundlich, milde? Wer ſeid Ihr? Sprecht! Die Ihr den Zug der Gäſte, Die Heimat ſuchen, ſchließt beim ſchönen Feſte?

Genius des Guten. Ich habe einen guten Spruch vernommen, Er klinget mächtig nach im tiefſten Herzen: Friſch, fröhlich, frei und fromm hat er geheißen. Da darf ich ja getroſt mit meinen Treuen Mich an den Zug der Freunde fröhlich ſchließen; Ich nenne mich den Genius des Guten, Von dem geſendet, der allein der Gute, Von Gott, dem Vater aller guten Gaben. Was wahr und ſchön im vollen Sinn des Wortes, Iſt gleichen Urſprungs, ſtammt, wie ich, von oben. Das Gute nur iſt wahr und wirklich ſchön, Und wahre Schönheit, wie die Wahrheit, gut. So laßt auch uns in dieſen Räumen wohnen, Es wird auf Erden und im Himmel lohnen.

Der Glaube. Im Menſchenherzen liegt ein mächtig Sehnen Nach dem, der alles Werdens tiefſte Quelle,

Der Urgrund alles Seins, dem unſre Seele Entquoll, von ſeinem Licht ein Strahl, ein Hauch Von ſeiner Liebe, die das All durchdringet.

Und dieſes Sehnen von Millionen Herzen,

Das nichts kann ſtillen in dem weiten Reiche Der Kunſt und Viſeenſchaft, ſo ſehr ſie beide Des Lichtes Kinder ſind und gottgeſendet,

Ich will es ſtillen, will des Menſchen Seele,

Der umgetrieb'nen, die, wie Meereswogen,

Bald aufwärts ſteigt, bald niederſtürzt in Tiefen, Aus denen jeder Aufblick ihr genommen,

Den vollen, reichen Himmelsfrieden geben

Und Freudigkeit und Kraft für's ganze Leben, Daß nichts ihr die Gewißheit Gottes raube.

Ihr kennt mich; ich bin keinem fremd: der Glaube!

Die Hoffnung. Und ich darf kühn der Schweſter mich geſellen; Wo ſie ſich Hütten baut, iſt meine Heimat. Was ſie ins Herz des Menſchen eingegraben Von dem, der ewig war, und iſt und ſein wird, Das laſſ' ich Wurzel faſſen, wachſen, blühen Und zeige dann in wunderbaren Farben Und lichter Schöne, was dem ird'ſchen Auge Verborgen iſt, und leite jede Seele Mit feſter Hand, daß ſie den Weg nicht fehle, Durch Erdendunkel zu dem ew'gen Licht, Zum Schauen hin vor Gottes Angeſicht. Die Hoffnung nenn' ich mich; wenn alles ſchwindet, Bin ich es, die im Dunkel Pfade findet.

Die Liebe. Und wenn in Schauen ſich der Glaube wandelt, Und ſelige Erfüllung wird das Hoffen, Dann wird mein Weſen völlig ſich entfalten, Dann ſtöret nichts mein Wirken und mein Walten, Das in der Unvollkommenheit der Erden Was es von Anfang war, nicht konnte werden. Doch habt ihr mich im Herzensgrund empfunden, Beſeligt und beglückt in ſchönen Stunden. Es iſt ja Stückwerk nur des Menſchen Wiſſen, Und all ſein Können muß in Nichts zerfließen, Wenn beiden nicht durch Gottes Gnade bliebe Der warme Strahl der reinen, ew'gen Liebe.

Darmſtadia. Wie bin ich reich an dieſem Ehrentage, Wie fühle ich das Herz in Freude ſchwellen Und ſchaue ſtolz auf meiner Töchter Scharen Und froh und ſicher in die fernſte Zukunft.