Darmſtadia lerhebt ſich).
Seid mir gegrüßt, Ihr teuren Kinder alle, Für die mein Herz ſo warm und innig ſchlägt! Es füllet meine Bruſt mit Stolz und Freude, Und meine Seele fühlet ſich erhoben In lichte Höhen, wenn ich um mich ſehe, Der Zukunft denkend, der Vergangenheit. — Wie in dem Waldesgrund die kleine Quelle Hinrieſelnd über moosbewachſene Steine Allmählich wächſt zum ſilberklaren Bache, Nach deſſen Wellen Blumen Grüße nicken, Und wie der Bach anſchwillt zum Fluß, zum Strome, Der ſtolze Schiffe trägt in ferne Meere, So bin auch ich, am Abhang ſtiller Hügel, Emporgewachſen, unſcheinbar, beſcheiden, Doch treu gepflegt durch weiſer Fürſten Liebe. Um ihre Pfalz erhoben ſich die Bauten, Den Markt umſchließend, Haus an Haus gereihet, Und Straße mit der Straße eng verbindend Zur feſten Stadt, der Bürger Schutz und Freude. Manch Wetter zog an meinem Haupt vorüber, Des Krieges Stürme tobten um die Mauern, Die ſchützend meine treue Stadt umzogen, Und auf den Wällen kämpften ihre Bürger, Und mancher ſtarb den ſchönen Heldentod. Was ſie errungen, wollten ſie erhalten: Des fleiß'gen Handwerks immer goldnen Boden, Des Kaufmanns wohlgefüllte, weite Speicher, Der Jugend Hort und Garten, Schul' bei Schule, Die niedre, wie die hohe, ſich ergänzend, In ſichrem Aufbau immer höher führend; Des Glaubens Freiheit, jedem zugeſichert, Der ihren Satzungen ſich unterordnet; Der Künſte herzerfreuend, edles Streben, Die, bildend, jedes Menſchenleben ſchmücken Und die entzückte Seele aufwärts tragen Auf goldnen Fittichen ins Reich des Schönen.—
So hab' ich meine Kinder auferzogen, So ſind ſie manch Jahrhundert aufgewachſen In allem Wahren, das den Geiſt erleuchtet, In allem Guten, das die Seele adelt, In allem Schönen, das verklärend wirket. Doch was ſie zubereitet und erzogen, Das Herz veredelt und den Geiſt gebildet, Die Schule war's, der Stolz der deutſchen Städte, Und ihrer Wohlfahrt, ihres Ruhmes Grund. Die Schule, drin die Söhne Weisheit ſchöpfen, Dem klaren Born der Viſſenſchaft entquollen, Darin der Glaube und die gute Sitte Um der Erkenntnis Baum ſich liebend ranken.
Die Schule, die auch unſre Töchter ſammelt Zu treuer Arbeit in des Wiſſens Schachten, Zu gleicher Liebe an der Künſte Streben Und ihrer Werke faſſendem Verſtändnis. So ſteht auch dieſer Bau, ein herrlich Denkmal Für unſrer Töchter Wohl an Leib und Seele; Ein Muſterbau und Hort für lange Zeiten. Heran! Wir wollen weihend ſeine Thore Sich öffnen laſſen und mit Segenswünſchen Dies Heim betreten. Chor.
Seht! O ſeht! Es nahen Sich wunderbare, fremde Lichtgeſtalten. Wer ſind ſie, wie vom Himmel hergeſendet? Nicht dieſer Erde ſcheinen ſie entſproſſen.
Auftritt 2.
(Während des Geſanges ſchreiten langſam von rechts her in feierlichem Zuge, voran die Pädagogik, die drei Genien mit ihren
Begleiterinnen herein. Sie ſtellen ſich im Halbkreis auf.)
Pädagogikt.(Als alte Frau.) Du haſt gerufen, Mutter dieſer Kinder, Um dieſes Hauſes Weihe zu vollziehen. Doch ohne uns kannſt Du ſie nicht vollenden. Wir dürfen nimmer dieſem Hauſe fehlen, Das unſer aller angeſtammtes Heim.
Darmſtadia. Wer biſt du, greiſes Haupt, das Achtung heiſchend Und ſtolzen Schritt's den Himmliſchen voranzieht? Das Alter ehr' ich, das die Weisheit predigt, Und wie ich ſelber, ſollen meine Kinder Das Alter achten, vor dem grauen Haupte Sich neigen, ehrfurchtsvoll und ſtill, beſcheiden. Die Jugend iſt unwürdig, die da ſpottet Und vor dem greiſen Haupt nicht ehrend aufſteht. Doch nenne uns den Namen und die Heimat.
Chor. Nenn' uns den Namen, Nenn' uns die Heimat! Künd' uns dein Weſen, Das Ehrfurcht gebietend, Milde im Blicke Und Ernſt in den Zügen, Mächtig das Herz faßt. Pädagogik. Du nennſt mich alt und fragſt nach meinem Namen
Und nach der Heimat, welche mich geboren? Wohl hab' ich manch Jahrhundert und Jahrtauſend


