Aufsatz 
Unser Landheim zu Niedernhausen i. O. / Hrsg. Eleonorenschule (Lyzeum und Frauenschule) zu Darmstadt
Entstehung
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überhaupt ihnen gegenüber einſtellen ſolle. Ich ſelbſt vertrat etwa die Auffaſſung der Helene Glaue in ihrer BroſchüreDas Schwärmen der jungen Mädchen. Wir einigten uns in beiden Punkten: Man ſoll keine Verſchwendung an Gefühlskraft treiben,Wert⸗ ſchätzung ohne Aeberſchwang Lehrern gegenüber be⸗ kunden, ein Verhältnis aufrichtiger Freundſchaft ſoll beide Teile umſchließen.

Der letzte Abend im Heim iſt überlieferungsgemäß länger und lauter, ein Polterabend. Meine Klaſſen verabredeten mit mir, alle Vorkommniſſe in ſchnurrigen Schnadahüpfeln zu beſingen. Ich kam in den Zweizeilern, die meine Licht⸗ und Schatten⸗ ſeiten zeichnen ſollten, leidlich gut weg. Meine eigene Aufgabe war umfangreicher, ich hatte mit aller Zartheit und mit ſchonender Ironie die zutage getretenen Schwächen der Klaſſe und die Eigentümlichkeiten jeder einzelnen in neuenXenien zur Laute vor⸗ zutragen. Heller Jubel brauſte über die Diele. An dieſem Abend war ich das einzige Mal um die nächt⸗ liche Kuhe unſeres einzigen Nachbarn und Freundes, des Herrn Altbürgermeiſters Beilſtein, beſorgt. Aber er verſicherte uns zerknirſchten Miſſetätern in der Frühe, keinerlei Störung empfunden zu haben. Nach

Trinkt, ihr Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Aberfluß der Welt! G. Keller.

* Wem Gott will rechte Gunſt erweiſen,

den ſchickt er in die weite Welt. J. v. Eichendorff.

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unſerer Rückkehr haben wir alle Lobgeſänge unter Ausſchluß der Oeffentlichkeit im Druck erſcheinen laſſen. Sie ſollen unſer Andenken an jene unvergeßliche, gemeinſam verlebte Woche bilden.

Der letzte Samstag war ein dies ater.Scheiden und meiden tut weh! Bewegten Herzens nahmen wir frühe ſchon von den erſtenAuswärtigen Ab⸗ ſchied, die zum Zuge eilten; am Nachmittag verließen wir Hinterbliebenen die gaſtliche Stätte. Mit dem Geſang des LiedesSo nimm denn meine Hände! zogen wir aus. Als wir auf der Höhe von Niedern⸗ hauſen, dem Zigeunerwäldchen gegenüber, angelangt waren, tönte in unſere Wehmut die Feierabendglocke der Dorfkirche hinein. Wir blieben ohne Verabredung alleſamt ſinnend ſtehen, als die letzten Klänge verhallt waren, antworteten wir und grüßten unſer ſtilles Tal zum letztenmal mit dem Abendliedchen:Seht, wie die Sonne dort ſinket...!

Auch unſere Sonne ſchien unterzugehen. Ich ſelbſt ſtehe nicht an zu bekennen: Ich war in den erſten Tagen desZuhauſe flügellahm. Ich trug geheimes Leid. Ich hatte meine Mädels ohne Anterſchied kennen und ſchätzen gelernt. Ich hatte ſie wirklich liebgewonnen. Dr. Avyemarie.

Wer hätte gedacht, daß wir Alten von den Jungen lernen würden? Verkehrte Welt, nicht wahr? And doch iſt es ſo! Die Jungen haben uns etwas vom Aller⸗ ſchönſten gelehrt, was es zu lernen gibt: Das Wandern! H. Hesselbacher.

Schuhputzen am Morgen.

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender ſich das Nachdenken damit beſchäftigt: der beſtirnte Himmel über mir und das moraliſche Geſetz in mir.

J. Kant.

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