Es iſt wahrlich Kunſt in der Natur; wer ſie heraus kann reißen, der hat ſie.
Albr. Dürer.
Wie wir draußen die Menſchen kennen lernen.
Die Einrichtung unſres Landheims ſoll wohl hauptſächlich dem Stadtkinde einen Aufenthalt in friſcher Landluft ermöglichen. Neuer Schaffensgeiſt ſoll durch die geſunde, nahrhafte Koſt und den faſt dauernden Aufenthalt im Freien in ihm erweckt werden. Es wird mit größerer Einfachheit bekannt
ihrer Kinder, beſonders auch mit dem Lehrer bekannt zu werden.
Aber nicht nur ſolche Gelegenheiten bietet ein Landheimaufenthalt den Stadtkindern, ſie bekommen vor allem auch ein Bild von der Arbeit der Bauern und ihren Gebräuchen. Da ändern wohl gar manche
Sang und Klang im Hof
und verrichtet ſelbſtändig Arbeiten, zu denen es zu Hauſe oft keine Gelegenheit oder Neigung hat. Von großem Wert iſt es auch für das Kind, daß es ſich hier einem fremden Willen fügen muß, was ihm vielleicht ſpäter von Nutzen ſein kann.
Im Zuſammenſein kommen die Kameradinnen als Menſchen einander näher. Auch der Lehrer bekommt oft ein anderes Bild von den Kindern, als er es nach den Leiſtungen in der Schule gewinnen kann. Ebenſo lernen ihn die Schülerinnen bei dem un— gezwungenen Verkehr von ganz anderen Seiten kennen. Häufig kommen Eltern zu Beſuch ins Landheim. Hier haben ſie nun Gelegenheit, mit den Freundinnen
ihre Anſchauungen, wenn ſie ſehen, welche unſägliche Mühe es den Landmann koſtet, ſein Feld zu beſtellen. Umgekehrt ſtellen ſich unter„Städtern“ heutzutage noch manche Bauern reiche, arbeitsſcheue und hoch⸗ mütige Menſchen vor. Doch im näheren Amgang mit ihnen merken ſie, daß dem, meiſtens nicht ſo iſt, daß auch ärmere und oft recht tüchtige Mädchen unter den Stadtkindern zu finden ſind. Wenn wir heute durch das Dorf gehen, grüßen uns die Bauern viel freundlicher, als das vor drei Jahren der Fall war. So trägt das Landheim auch dazu bei, daß das Verhältnis zwiſchen Stadt- und Landbewohnern herzlicher wird. Schulauffatz von Kathi Ruppling, IIa:.
X
73


