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einen Spiegel, der von den Schülerinnen mit Jubel begrüßt wurde; das elektriſche Licht wurde von der Firma Adolf Kling koſtenlos gelegt. Damit wir zu Geld kamen, wurde durch die Schule für unſere Sache ge— worben, Anſchläge wurden in den Gängen gemacht und verſchiedene Veranſtaltungen abgehalten, deren Erlös der Heimkaſſe zufloß. Es fand z. B. in unſerer Turnhalle ein Konzert ſtatt, das einen anſehnlichen Betrag brachte. Damit ging es ans Einkaufen. Wir erſtanden aus einem ehemaligen Lazarett Bettſtellen, Strohſäcke und Nachtſchränke; ein Küchenſchrank wurde in gebrauchtem Zuſtand gekauft, und das Küchengeſchirr kam, wie vieles andere, durch Stiftungen zuſammen.
Am unvergeßlichen 3. März 1⁰22, einem trüben Regentag, zogen wir nach Niedernhauſen, um das Landheim einzurichten. Die Möbel wurden vor dem alten Lazarett am Jägertor auf 2 Einſpänner⸗Roll⸗ wagen geladen. Die Reiſe konnte nun beginnen, aber da ergab ſich eine Schwierigkeit: Das eine Pferd zog nicht an! Der Fuhrmann dieſes Wagens, unſer Klaſſenführer in höchſteigener Perſon, verſuchte, das liebe Pferdchen durch Streicheln, Tätſcheln und allerlei Verſprechungen zum Gehen zu bewegen, aber es war vergebliche Liebesmüh. Erſt als nach einer ½ Stunde mitleidige Straßenkehrer in die Speichen der Räder griffen, ſetzte ſich das Gefährt langſam in Bewegung. Der Fuhrmann des anderen Wagens war„ein Fach⸗ mann“, der geſchickt die Fahrt leitete, aber kurz hinter Nieder⸗Ramſtadt den Augen ſeines„Kollegen“ ent⸗ ſchwand. Der weilte nun in ſtrömendem Regen „allein auf weiter Flur“, nur ab und zu von mit— leidigen Blicken Vorübergehender begleitet. Kurz vor Niedernhauſen, gerade beim Einfahren in eine ſehr ſchwierige Kurve, wurde der„Fahrtleiter“, der ſich unterwegs„geſtärkt“ hatte, wieder ſichtbar und mit großer Freude von dem zweiten Gefährt aus begrüßt.
Nun folgte großes Reinemachen. Einige putzten die Zimmer, andere bürſteten gründlich die Bettſtellen, und wieder andere, und das war wohl die ſchönſte Beſchäftigung, pinſelten die Betten und Nachtſchränke mit Oelfarbe neu an. Ganz einfach war auch das nicht, ſah man doch verſchiedene glatt auf dem Rücken unter dem Bett liegend hantieren. Der Anſtrich ſcheint uns doch Ehre gemacht zu haben, denn bei meinem letzten Beſuch des Landheims im September 1925 ſah ich, daß er bis heute noch nicht erneuert werden mußte. Es ging bei all dieſer ſchmutzigen Arbeit luſtig zu, und ich glaube, daß die alſo„überfallene“ Kranken⸗
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ſchweſter manchmal verſtändnislos ihr greiſes Haupt ſchüttelte. Ein kleines Abenteuer iſt mir noch in Er⸗ innerung: Eine von uns hatte an dieſem Tag Ge— burtstag, was abends erſt der„Oeffentlichkeit“ bekannt wurde. In der Küche ſollte nun ein Geburtstagstiſch gedeckt werden, der, obwohl er aus ſehr, ſehr beſcheidenen Mitteln beſtritten war, große Heiterkeit und bei dem Geburtstagskind laute Freude hervorrief. Man konnte da unter anderem eine Scheibe Fleiſchwurſt, einige Zwiebäcke, eine Sacharintablette und dergleichen wert— volle Gaben finden. Das Ganze war von Tannen— grün umgeben und wurde bei Kerzenſchein und mit Jubelgeſang überreicht.— Nach einigen gemütlichen Stunden des Beiſammenſeins am erſten Abend im Landheim wollten ſich nun„die müden Geiſter“ zur Ruhe begeben. Damit ſah es nun ſehr troſtlos aus, da die Bettſtellen von allzu gründlichem Reinemachen im Freien noch trieften. Die Schweſter des Hauſes erlaubte keinesfalls, und das mit Recht, daß wir die Betten an dieſem Abend benutzten, und es blieb uns nichts anderes übrig, als ihr Anerbieten anzunehmen und uns auf der blanken Erde ihres geheizten Wohn⸗ zimmers zu lagern. Das war ein richtiges Zigeuner⸗ lager, zumal jede von uns für einen buntkarierten „Bettſack“ geſorgt hatte und ſich nun darin zur Ruhe begab. Es befanden ſich allerdings in dieſem Zimmer noch zwei Ruhebetten, die jede Stunde ihren Be⸗ nützer wechſelten. Das war die erſte Nacht im Landheim. Nun gab es noch eine wichtige Frage: Wie ſoll das Heim heißen? Zur Gewinnung von Vorſchlägen wurde wieder ein Wettbewerb veranſtaltet, und ſie kamen zahlreich in verſiegeltem Amſchlag in die F. S. l geflattert. Man las da die ſchönſten Namen, z. B.„Elfenneſt“,„Sonnenblick“,„Glück im Win⸗ kel“,„Lug ins Land“,„Rackerheim“,„Ferien vom Ich“,„Feenſchloß“. Keine von dieſen ſchönen Be⸗ zeichnungen fand aber allgemeinen Beifall, und ſo nannten wir es ſchlicht„Landheim der Eleonoren— ſchule“.— Bald vier Jahre beſteht das Heim nun ſchon zur Freude ſeiner Beſitzerinnen, ein Werk, von der Jugend für die Jugend geſchaffen! Hatten wir ſelbſt leider nicht mehr das Glück, vor unſerem Abgang das ſonnige Haus benutzen zu dürfen, ſo hatten wir doch das beſeligende Gefühl, unſeren Dank der Eleonorenſchule gegenüber an einem ganz geringen Teil abgetragen zu haben, indem wir ihr halfen, einen
bleibenden Wert für ihre Jugend zu ſchaffen. Hl. Bauch Cräühere Frauenſchüferin].
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