Wasunsin unſeremplanebeſtärkte und alle Hinderniſſe überwinden ließ, war die Aeberzeugung von dem hohen Wert der Gemeinſchaftserziehung neben der geſundheitlichen Förderung der uns anvertrauten Schülerinnen. Einwände mußten natürlich erwogen, abgewogen und überwunden werden. Ein ſchwer— wiegendes Bedenkeniſt die Störung des Anter⸗ richts. Daß der Schulunterricht durch den achttägigen Aufenthalt einer ganzen Klaſſe während der Schul⸗ zeit beeinträchtigt wird, iſt ohne weiteres zuzugeben. Der Lehrer, der mit ſeiner Klaſſe hinausgeht— nur in den Ferien finden ſich dort Sammelklaſſen ein— hat ja nicht nur in ſeiner Klaſſe Anterricht, in den anderen Klaſſen muß er vertreten werden. An unſerer Anſtalt ſorgt jeder hinausgehende Amtsgenoſſe ſelbſt für dieſe Vertretung und reicht dann vor dem Aufbruch, der gewöhnlich am Montag ſtattfindet, den Vertretungs⸗ plan ein. Zur Vertretung werden in erſter Linie die in der Woche freiwerdenden Lehrkräfte der betreffenden Klaſſe herangezogen. Aber eine Störung des Anter⸗ richts bleibt immerhin beſtehen. Die Landheimklaſſe erfährt in der Tat eine Verminderung der Stunden⸗ zahl und dies zweimal im Jahr um je eine Woche. Denn bei 19 Klaſſen wird im allgemeinen zweimal je eine Woche im Landheim zugebracht, und eigent— lichen Anterricht erteilen wir draußen grundſätlich nicht. Aber das, was ſo verloren geht, wird durch anderes erſetzt und ausgeglichen. Der Aufenthalt auf dem Lande, die vielen Wanderungen in die heimiſchen Berge bringen eine Fülle von Anſchauungen, die dem Anter— richt in Erdkunde und Geologie, Naturkunde, Stern— kunde und Geſchichte zugute kommen. In die Land⸗ wirtſchaft gewinnen die Schülerinnen einen Einblick, der ihnen ſonſt verſagt bleibt. Sie lernen die Tätigkeit des Landwirts kennen und durch gern gewährte Teil⸗ nahme ſchätzen. Sie denken beim Wechſel von Sonnen⸗ ſchein und Regen nicht nur an die eignen Spaziergänge, ſondern verſtehen auch die Bedeutung der Witterung für den Ackersmann. Sie ſehen, daß die Bebauung des Feldes einen Wechſel der Fruchtart bei der Beſtellung verlangt. Sie gehen mit hinein in die Ställe, wenn das Vieh gefüttert oder gemolken wird, und ſind ſtolz darauf, ſelbſt mithelfen zu dürfen. Sie treten beim Heumachen, bei der Getreide⸗ und Kartoffelernte mit in die Arbeiter⸗ reihe des befreundeten Bauernhauſes und gewinnen ſo einen Einblick in die Mühen, Sorgen und Freuden des Landwirts.
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Die unteren Klaſſen werden von zwei Frauen⸗ ſchülerinnen begleitet, denen die Sorge für das Haus und die Küche anvertraut iſt. Die kleineren Schülerinnen helfen abwechſelnd bei der Hausarbeit. Die oberen Klaſſen ſorgen für ſich ſelbſt. Sie ſind dafür in Gruppen eingeteilt. Hier ordnet man die Zimmer, dort hilft man in der Küche, da deckt man die Tiſche und trägt Speiſen auf. So werden ſie im Haushalt angeleitet, und wir wiſſen, daß die Eltern auch dieſer Art Tätig— keit Beifall zollen.
Unſere Schülerinnen haben reichlich Gelegenheit und benutzen ſie auch, mit den Bewohnern des Dorfes und der weiteren Amgebung in lehr— reiche Berührung zu kommen. Sie lernen von ihnen praktiſche Tätigkeit, vor allem aber auch als Groß⸗ ſtadtkinder die Erforderniſſe des Lebens und der wirt⸗ ſchaftlichen Verhältniſſe kennen. Sie treten ein in die Schmiede, in die Werkſtatt der Handwerker, in die Mühle, in die Dreherei der„Gailchesmacher“ und in die Feder⸗ halterfabriken. Sie ſchauen ſich um beim Bäcker und Krämer. Ihre Anſchauungen werden dadurch nicht wenig erweitert. Freundſchaftliche Beziehungen zwiſchen Stadt und Land werden angeknüpff. Die Dorfmädchen lernen von unſeren Schülerinnen Handarbeiten, ſie nehmen teil an Volkstänzen, Spielen und Liedern und gewähren und benutzen gegenſeitige Gaſtfreundſchaft.
Wenn man von dem Nutzen des Landheims ſpricht, denken viele vor allem an die Förderung der Ge⸗ ſundheit. Natürlich ſtimmen wir dem bei, wenn auch dieſe Seite nicht die einzige iſt. Das Landheim ſoll ein Erholungsheim, eine Stätte der Geſundheit und Freude, aber auch eine Stätte der Erziehung in Ver⸗ bindung mit der Schule ſein. Freilich iſt die Sorge um die Geſundheit eine Hauptbedingung für das Gedeihen des Landheims. Dieſem Zweck dient der Aufenthalt in der friſchen Luft, der geräumige Hof, in dem bei allerlei Spielen die Jugend ſich tummelt, in dem bei guter Witterung alle Mahlzeiten genommen werden. Ihm dient der Grasgarten am Bergabhang mit Ge⸗ legenheit zu Sonnenbädern, die Badeſtube und das freilich ſchlichte Freibad im kleinen Odenwaldbach, das Rodeln und der Schneeſchuhlauf im Winter. Aeber⸗ mäßige Anſtrengungen in Marſchleiſtungen werden vermieden. Eine Hausapotheke iſt vorhanden. Für ernſte Erkrankung iſt der Arzt des Nachbarorts mit ſeinem Kraftwagen ſchnell durch Fernſpruch zu erreichen. Wir ſorgen für reichliche und ſchmackhafte Ernährung.
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