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Wo das erſte Menſchenaug' ſich liebend über deine Wiege neigte, wo deine Mutter dich zuerſt mit Freuden auf dem
Schoß trug und dein Vater dir die Lehren der Weisheit ins Herz grub, da iſt deine Liebe, da iſt dein Vaterland!
Und ſeien es kahle Felſen und öde Inſeln, und wohne Armut und Mühe dort mit dir, du mußt das Land ewig liebhaben, denn du biſt ein Menſch und ſollſt nicht vergeſſen, ſondern behalten in deinem Herzen!
E. M. Arndt.
IStraßenlied.
Es liegt etwas auf den Straßen im Land umher,
In Welſchland und in Britannien und am Meer,
Am Rhein und wo die Scholle der Newa ſplittert wie Glas, Es liegt etwas auf den Straßen, ich weiß nicht was.
Ich hab auf den Straßen verlaufen ſieben Paar Schuh,
Mein Stecken blieb immer derſelbe, mein Herz dazu,
Ich wanderte ſieben Jahre durch Regen und Sonnenlicht, Und die Straßen wußten mein Glück und ſagten es nicht.
Es pfeift eine Droſſel in Thule am Holderſtrauch,
Und hab ich Land Elend gefunden, ſo find ich Thule auch. Die Droſſel weiß meiner Sehnſucht ſüßeſten Reim,
And alle Straßen im Lande ſagen:„Kehre heim!“
B. von Münchhausen.
Vaterländiſche Wanderungen.
„In fremden Ländern ſind wir ſehend und in Deutſchland entweder blind oder blödſichtig“ hebt eine alte Klage gegen uns an. And vaterländiſche Wanderungen ſind notwendig, denn ſie erweitern des Menſchen Blick, ohne ihn dem Vaterlande zu ent⸗ führen. Kennen lernen muß ſich das Volk als Volk, ſonſt ſtirbt es ab. Glieder eines ausgebreiteten Geſchlechts, die ſich nicht perſönlich kennen, die in weiter Ferne von einander getrennt ſind, leben ſo hin, als wären ſie nicht da. Wie wohltätig wirken dann nicht ſelbſt die kürzeſten Beſuche! Die zarten, von Blutsverwandtſchaft geſtifteten Bande erneuert die Gegenwart und macht Amgang unauflöslich.
Die ſchöne Welt iſt für's fühlende Menſchenherz leer, wenn ſie nicht durch andere Menſchen belebt wird. Ein Ortchen, äußerlich unanſehnlich und ſonſt unbedeutend, wird uns lieb, ſobald Menſchen darin wohnen, die uns angehen. Angewitter, die dorthin ziehen, ſtreifen nicht als Luftgebilde an unſerer Selbſt⸗
ſucht vorüber, wir ſchauen ihnen ängſtlich nach, denn ſie bedrohen unſere Teuren. Eine Gegend, wo wir Freude genoſſen, glückliche Augenblicke verlebten, gute Taten verrichteten, iſt uns heimiſch, wie die Geburts⸗ ſtätte unſeres Daſeins. Und Amgebungen, wo ſich Hochgedanken in uns erzeugten, wo Gefühle, uns vorher unbekannt, die Seele füllten, heiligen ſich uns zu einer Verehrung. Das Leben ſoll ja ſelbſt nur eine Reiſe ſein, aber man kann auch auf Reiſen leben: nur muß man nicht im gemächlichen Blindekuhwagen fahren, ſich auf Landſtraßen umhertreiben, um Wirts⸗ häuſer und ihre Küchen und Keller auszuſchmecken. Wandern, Zuſammenwandern erweckt ſchlummernde Tugenden, Mitgefühl, Teilnahme, Gemeingeiſt und Menſchenliebe. Steigende Vollkommnung, Trieb nach Verbeſſerung gehen daraus hervor und die edle Be⸗ triebſamkeit, das auswärts geſehene Gute in die
Heimat zu verpflanzen. Fr. L. fahn.
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