Aufsatz 
Proces / Franz Kafka ; priredio Zlatko Crnković
Entstehung
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die Bußübungen zu verwenden versprochen hatte. Sigbert aber gab seinen Plan nicht auf und ließ Goar zum zweiten Mal durch Gesandte die Bischofswürde aubieten. Aber mit der gleichen Standhaftigkeit wie früher wies der Heilige die ihm angebotene Ehre zurück, und abermals überfiel ihn auf sein Gebet ein heftiges Fieber. Während er nun in seiner Einsiedelei, in die er inzwischen zurückgekehrt war, in gewohnter Weise seine Milde und Gastfreundschaft zu beweisen fortfuhr, wurde er endlich von Alter und Krank- heit so gebrochen, daß er seinen Tod herankommen fühlte. Da ließ er den König Sigbert durch Boten bitten, daß er die Priester Agrippinus und Eusebius zu ihm schicke, damit sie ihm im Tode beiständen. In ihrer Gegenwart und unter ihren Händen starb ‚der vortreffliche, im Leben wie im Tode bewundernswerte Mann' am 6. Juli 575.

Uber der Zelle, die der Heilige bewohnt hatte, wurde eine Kirche gebaut, in der seine Ge- beine aufbewahrt wurden. Später wurde dort auch ein Kloster errichtet, das die Verpflichtung hatte, nach dem Vorbilde Goars Gastfreundschaft zu üben. Zahlreiche Wallfahrer kamen von nah und fern, um an seinem Grabe zu beten, und viele Wunder sollen da geschehen sein. Es war sogar der Glaube verbreitet, daß demjenigen, welcher an der Grabstätte Goars vorüberginge, ohne dort seine Gebete zu verrichten, UÜbles begegne. Selbst der Kaiser Karl der Große, der einmal vorüberfuhr, ohne zu landen und zu beten, mußte die Wahr- heit dieses Glaubens erfahren, als ihm ein dichter Nebel die Weiterreise gefährdete! Erst als der mächtige Herrscher zu Goars Grab zurückgekehrt war und hier die ver- säumte Andacht nachgeholt hatte, verschwand der Nebel wieder, und der Kaiser konnte die Reise fortsetzen. Einmal litt auch seine Gemahlin Fastrada sie liegt im Mainzer Dom begraben an heftigen Zahnschmerzen. Da rief sie den heiligen Goar um seine Fürbitte an, und sogleich verschwanden die Zahnschmerzen. Aus Dankbarkeit,. schenkte Karl der Große dem Kloster ein königliches Hofgut. Denkwürdiger ist die Aussöhnung der beiden Söhne Ludwigs des Frommen, Karl und Pippin, die bei einer unerwarteten Begegnung der beiden am Grabe des Heiligen zustande kam. Der Vater machte in seiner Freude über dieses Ereignis eine reiche Stiftung, welche den armen Reisenden zu gute kommen sollte.

Noch einmal machte der heil. Goar in der Geschichte von sich reden. Als Kaiser Karl V. 1532 mit 16 Schiffen zu Berg fuhr, brachte er in der Lilie zu St. Goar die Nacht zu. Am andern Morgen ließen die spanischen Bischöfe, welche sich zahlreich in dem Gefolge des Kaisers befanden, den evangelischen Magister Eugenius, der als Superinten- dent der niederen Grafschaft Katzenelnbogen die dortige Pfarrei verwaltete, zu sich kommen. Sie sprachen erst mit ihm über allerlei religiöse Gegenstände und teilten ihm dann mit, daß ihr kaiserlicher Gebieter, ehe er weiter fahre, das Grab St. Goars besuchen und in der Stiftskirche die Messe hören wolle. Eugenius erklärte aber, daß er dem Kaiser nicht zu Willen sein könne und keinenPfaffen' in seiner Kirche die Messe lesen lasse; sein Gewissen erlaube ihm das nicht. Die Bischöfe drangen immer heftiger in den armen ‚Praedikanten aber der blieb unerschütterlich; der Kaiser fuhr, ohne die Messe gehört zu haben, nach Oberwesel weiter.

Während des z3ojährigen Krieges öffneten die Spanier 1626 das Grab St. Goars, die beim Heere befindlichen katholischen Geistlichen bemächtigten sich der Reliquie und entführten sie dem deutschen Boden, ohne daß man weiß, wo sie hingekommen ist.