Als Anhang erſcheint dann noch:
„Die von dem Bensheimer Schulfonds für Rechnung der Schullehrer⸗ Seminarcaße bezahlten Beſoldungen und zwar: a) Die Beſoldung des Directors Ries 800 fl.
b)„ Mitlehrers W. Kurz 100 fl. c)„ Rectors Hallbauer 75 fl. d) Kantors Dechslen 20 fl.“
wobei zu beachten iſt, daß Kurz und Oechslein frei im Seminar wohnten
und Verpflegung bekamen.
Als Kantor Oechslein, der weniger erhielt als der Hausdiener, um Gehaltserhöhung einkam, ward ihm folgender Beſcheid:
Wir beauftragen Sie, dem Supplicant zu eröffnen, daß ſeinem obigen Geſuch, be⸗ wandten Umſtänden nach, nicht willfahrt werden kann, ihm jedoch wegen Nichtadhibirung des geſetzlichen Stempelpapiers zu ſeiner Vorſtellung die ordnungsmäßige Contraventions⸗ ſtrafe von 1 fl. angeſetzt worden.“
Alſo ½0 ſeines Lehrergehaltes als Strafe. Im Jahre 1825 iſt die Rechnung ſchon einfacher; denn die Ver⸗ pflegung wurde an einen„Entrepreneur“ vergeben.
6rundlegende Hrbeit von 1821—35.
In ſtiller emſiger Arbeit ſind in den nächſten Jahren Lehrer und Schüler im Seminar tätig. Allerdings wurde dieſe Arbeit vielfach geſtört durch die im heperſonn eintretenden Veränderungen, weil eben die Stellen am Seminar ſo ſchlecht dotiert waren, und Geiſtliche wie Laien, ſobald ſie eine beſſere in ichn wegzogen mit Ausnahme des ideal geſinnten Direktors, der bis zu ſeinem Tode im Jahre 1835 aushielt.
Bei der Eröffnung waren an der Anſtalt 4 Lehrkräfte tätig:
1) Direktor M. A. Ries, vorher Pfarrverweſer in Sulzbach in Baden,
der ge eichzeitig als erſter Seminarlehrer zählte.
2) Der Unterlehrer, ſpäter 2. Seminarlehrer genannt, F. J. Kurz, vorher Diakonus in Seligenſtadt.
3) Rektor Hallbauer von der Bensheimer Volksſchule, der am Seminar 6 Stunden, wahrſcheinlich Muſik, erteilte, wofür Kurz 4 Stunden Unterricht an der Volksſchule, wohl Religion, gab.
4) Kantor Oechslein als Schreib⸗ und Induſtrielehrer, zugleich Oekonom.
1822 ſtarb Rektor Hallbauer; an ſeine Stelle trat Gymnaſiallehrer Grieſer, der, als Oechslein 1828 ſtarb, auch deſſen Stunden übernahm.
1827 ward Kurz Pfarrer in Hofheim. An ſeine Stelle trat der Prieſter Dominikus Goy und, als dieſer 1830 Lehrer am Biſchöflichen Seminar in Mainz ward, der Prieſter Leonhard Arzberger, der bis zu ſeiner Ernennung zum Direktor der Bürgerſchule in Bingen im Jahr 1838 hier blieb.
1834 ward Grieſer an das Gymnaſium nach Mainz verſetzt; ſtatt ſeiner gab der Rektor Kunkel von der Volksſchule in Bensheim Unterricht in Generalbaß, Klavier und Orgelſpiel,
Das Leben und Treiben am Seminar in dieſen Jahren zeichnet Direktor Ries in ſeinem Büchlein:„Die Errichtung, der Fortgang und Beſtand des Schüler⸗Seminars in Bensheim“ in der der Biedermeierzeit eigenartigen Schilderung in ſo köſtlicher Art, daß wir uns nicht verſagen können, hier einige Proben davon zu geben.


