und besonnene Ruhe, Ehrfurcht vor dem Gesetz und zähes Festhalten am Alten.
Und noch mehr germanischen Typus zeigt die Gestalt Tells; hier ist alles innerliche, geschlossene Kraft. Er erinnert uns an jene alten, großen Beispiele germanischen Stils, wie ihn etwa die Gestalten des Bamberger Doms zeigen.
Um wieviel besser es hier glückt, Füllsel in die Atmo- sphäre des Stils emporzuheben und die Massen dem Stil zu unterwerfen, ohne sie in antiker Manier zu behandeln, davon legt die Rütliscene einen Beweis ab, wenn sich freilich auch hier, wie zum Beispiel in der Zeichnung Frießhardts und Leut- holds Züge jener karikierenden Art einschleichen, die im Spiel bisweilen häßlich vergröbert werden.
In dem Torso des Demetrius sehen wir dann den Dichter immer bewußter auf der Bahn zu diesem herberen Stil vor- schreiten, wie dies der Vergleich der ursprünglichen Fassung der Dichtung mit der späteren zeigt.
Indem der Unterricht auf der obersten Stufe zu einer dérartigen kritischen Vergleichung der Stilbildung und der entsprechenden Darstellungsnorm in den einzelnen Dramen, wie sie hier skizziert ist, anleitet, festigt er die bis dahin ge- wonnenen Anschauungen von den Gestalten des Dichters. Damit führt er zu gleicher Zeit viel tiefer, als er es mittels biographischen Details vermag, in die Arbeit des Künstlers ein und lehrt schließlich begreifen, daß das, was wir als Stil schauend erfassen, der Ausdruck innerer, geläuterter Kräfte ist.


