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Das Lehrerkollegium hat auch hier, obwohl die UÜberwindung der Schwierigkeiten nicht immer leicht war, zum Teil selbst die Vertretung übernommen, zum Teil halfen der Kandidat des höheren Schulamts Herr Wolter(vom Seminar zu Steglitz) und Herr Zeichenlehrer Looschen in dankenswerter Weise aus.
Dagegen war der Gesundheitszustand der Schüler während des Schuljahrs im ganzen recht erfreulich. Zu unserem großen Schmerze hat aber auch im vergangenen Jahre der unerbittliche Tod unsere Anstalt nicht verschont, sondern zweimal in die Reihen der jugendlichen Schüler eingegriffen. Am 25. Oktober starb der Unter-Tertianer Hellmut Mertens an schwerer Blinddarmentzündung, am 9. Dezember wurde der Quintaner Adalbert Korinth von den qualvollen Leiden einer Gehirnentzündung erlöst. Beide Schüler waren bei ihren Lehrern und Mitschülern besonders beliebt, und in aufrichtiger Mittrauer mit den tiefgebeugten Eltern gaben diese ihnen betrübten Herzens das letzte Geleite.
Am 1. Oktober schied der Schuldiener Herr Matthias aus seinem Amte, um sich nach vierzehnjähriger Tätigkeit an der Anstalt zur Ruhe zu setzen. Unsere besten Wünsche begleiten ihn. Sein Nachfolger wurde Herr Bartz.
Der Unterricht fiel wiederholt aus: am 31. Mai, 2. und 5. September wegen Parade, am 3. Juni wegen des Einzuges der Herzogin Cecilie, am 6. November wegen des Einzuges des Königs von Spanien. Wegen starker Hitze mußten am 5., 6., 21., 30. Juni, am 1., 3., 4. Juli mehrere Stunden ausfallen. Am 2. Dezember, am Tage nach der Volkszählung, fiel der Unterricht der Lehrer, die sich dem Zählgeschäft gewidmet hatten, in einigen Stunden aus.
Revisionen und Prüfungen. Am 9. September 1905 fand unter dem Vorsitz des zum Königl. Kommissar ernannten Direktors die Reifeprüfung statt, welche alle 5 Prüflinge bestanden; desgleichen am 6. und 7. März 1906 teils unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrats Dr. Klatt, teils dem des Direktors. Sämtlichen 31 Prüf- lingen konnte die Reife zugesprochen werden, 15 unter ihnen unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.
Das in Entwicklung befindliche Realgymnasium war am 256., 31. Oktober, 1. und 3. November 1905 vom Herrn Provinzialschulrat Geh. Rat Dr. Genz einer eingehenden Revision unterzogen worden, infolge deren am 5. März 1906 die erste Schlußprüfung in der Ull. abgehalten werden durfte. Uber das Ergebnis, das der Entscheidung des Herrn Ministers unterliegt, kann erst im nächsten Jahresbericht Näheres mitgeteilt werden.
An Festen und Feiern hat es der Anstalt im vergangenen Jahre nicht gefehlt. Zunächst beging sie das Fest des 100jährigen Todestages unseres Schiller, indem sie zur Vorfeier am 4. Mai in wohlgelungener Weise„Wallensteins Lager“ im Hertelschen Saale zur Darstellung brachte, um dessen Einstudierung sich Herr Oberlehrer Dr. Schulze die größten Verdienste erworben hatte. Am Festtage selbst hielt Herr Oberlehrer Dr. Lehmgrübner in der neuen, freilich noch nicht ganz fertigen Aula, die aber für diesen Zweck oberflächlich hergerichtet wurde, damit die ganze Anstalt ver- sammelt werden konnte, eine erhebende Ansprache. Dazu wurde unter freundlicher Mitwirkung der Herren Oberlehrer Dr. Noack und Leuschner von dem Schülerchor die Glocke von Romberg aufgeführt. Die Neue photographische Gesellschaft in Steglitz schenkte auf gütige Veranlassung ihres Direktors Herrn Schwarz jedem Schüler ein schönes Schillerbild. Außerdem erhielten die Schüler der oberen Klassen eine wohl- gelungene Schillerplakette aus den von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Mitteln, zehn Schüler, die sich durch gute Leistungen im Deutschen ausgezeichnet hatten, von einem ungenannten Geber jeder ein Exemplar von Harnack, Schiller.


