Schiller und Gäthe.
Ein Vortrag.
Vaß die Poeſie auf das Glück und Gedeihen des Menſchen⸗Geſchlechts den wohlthätigſten Einfluß ausübt, ja daß ſie zu einem geſunden, erhöhten Leben ſowohl des Einzelnen wie ganzer Völker unentbehrlich iſt, das iſt von hervorragenden Geiſtern aller Zeiten anerkannt und ausgeſprochen worden. Nach Schiller iſt ihr Begriff kein anderer, als der Menſchheit ihren möglichſt vollſtändigen Ausdruck zu geben. Und Böckh, der Neſtor unſerer Philologen, ſagt in ſeiner Jubelrede zur Schillerfeier:„Der wahre und große Dichter, unter welchem Volke er auch geboren ſein und zunächſt gewirkt haben mag, iſt ein Wohlthäter des Men⸗ ſchengeſchlechts. Die Poeſie erhebt den Geiſt, erwärmt und erheitert das Leben. Wer nicht, wie Shakeſpeare von der Muſik ſagt, Poeſie in ſich ſelbſt hat, wenn er ſie auch nicht ausübt, das Gemüth, welches von ihr nicht berührt wird, die Bruſt, in der ſie nicht wieder⸗ klingt, in der nicht irgendein poetiſcher Blutstropfen rinnt, iſt verödet. Die Dichtung eröffnet


