Aufsatz 
Schulrat Johann Karl Schuller : Eine Skizze seines Lebens und Wirkens
Entstehung
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Denn nicht Vater oder Schwiegervater gründlich helfen konnten bei Schuller war keins der Fall dann blieb nichts anderes übrig, als in zahllosen Privatstunden seine beste Kraft zu vergeuden, um das Fehlende zu verschaffen. Freilich, manchmal war auch das nicht möglich. Im Sturmjahre 1849 klagt St. Hdolf Bergleiter, einer der tüchtigsten Lehrer jener Zeit:Nur wir Armen bleiben angewiesen auf die wenigen Gulden, bei denen wir auch früher vor Kälte und hunger gestorben wären, wenn es keine Privatstunden gegeben hätte. Bei der Stockung der Schule hat aber auch diese Quelle zu tropfen aufgehört.(enn das Betteln nicht mit Schande verbunden wäre, gewiss an mancher Strassenecke sässe ein Hermannstädter Gymnasial- lehrer oder Prediger. Huch Schuller hat durch Privatstunden reichlich nachholen müssen, was das Gehalt zu klein war. Über es waren nicht immer nur bittere Stunden des Frondienstes, manche von ihnen hat ihm neben der Freude für den Bugenblick Freundschaft und Gewinn fürs Leben gebracht. Die kläglichen Verhältnisse des damaligen IHlädchenschulwesens veranlassten einsichtsvolle Eltern, ihre Töchter in privatunterricht weiter bilden zu lassen. So lernt bei Schuller eine junge Gräfin Susanna Bethlen im Jahre 1823 bezeichnend für die damalige Herrschaft des Latein in Ungarn lateinisch und teilt ihm noch aus Klausenburg mit, dass sie diese Studien eifrig fortsetze. Eine Schülerin Schullers nennt sich in späteren Briefen die Gräfin Anna Hmadei, geborene Rosty von Barkocz, eine hochbegabte Dame, deren schöne, geistige Beziehungen zu Schuller vor einigen Jahren Bischof Fr. Mlüller im Tageblatt charakterisiert hat.¹) Hm innigsten aber sind Schullers Beziehungen zu den beiden Schülerinnen Blexandrine und Eugenie Popp von Böhmstetten gewesen und geblieben, die 1827 und in den folgenden Jahren von Schuller Unterricht in englischer Sprache, Geschichte und deutscher Literatur erbalten. Besonders Eugenie, später verehelichte Bolza, wie Gräfin Hmadei hochbegabt und dichterisch veranlagt, bleibt dem Lehrer in Liebe und Freundschaft zugetan, und ihre Briefe sind Schuller stets Erheiterung und Erquickung gewesen. 1851 schreibt sie nach einer Italienfahrt:Uenn ich auf den Stufen des Kapitols stand, auf dem Forum, auf der via sacra, unter dem Triumph⸗ bogen des Titus und Constantin, da war ein grosser Teil meines Genusses Tribut des Dankes gegen Sie, denn wie konnt' ich anders als der Täfelchen²) gedenken, aus denen Hlexandrine und ich unsere ersten, tiefsten, bleibendsten Eindrücke schöpften. Bls sie 1853 einen Band ihrer als Manuskript gedruckten Gedichte Schuller übersandte, schrieb sie in dem Begleitbrief auch die Iorte:denn der Gärtner ein Recht auf die Pflanzen hat, so haben Sie eines auf meine Gedichte. Und noch 186 ½ schreibt die ältere Schwester, Hlexandrine Stremnitzberg: Gie Eugenie denke auch ich stets mit gerührtem Herzen jener unvergesslichen Stunden, in welchen uns durch Sie, verehrter Freund, so leicht und genussreich gemacht ward, was sonst der Jugend oft so schwer dünkt, und besonders der Sinn für Poesie in uns geweckt und gestärkt wurde, der eine Quelle so hohen Genusses ist. Solches Gedenken mag Schuller unter den mancherlei Ehrungen, die er als Lehrer erfahren hat, am wohlsten getan haben.

Huch an offizieller Inerkennung seiner Tätigkeit hat es ihm nicht gefehlt. 1821 wurde er zum Konrektor, 1831 unter drei Kandidaten und es waren recht gefährliche Konkurrenten einstimmig zum Rektor gewählt. Doch das mühevolle Imt des Rektorats, das einen energisch zugreifenden Ilann mit gesunden Herven verlangt, war nichts für Schuller. Seine Krankheit peinigt ihn heftiger und öfter denn je, und 1833 bricht er unter der Last zusammen. Und wie

¹) Johann Karl Schuller und die Gräfin Inna Hmadei. Von IIl. F. G., S.⸗D. Tageblatt 1806, Hr. 6806 ff. ) mit hilfe derer Schuller den Geschichtsstoff dem Gedächtnisse seiner Schülerinnen einprägte.