Aufsatz 
Was bedeutet der Name Lüneburg?
Entstehung
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deutschen Stämmen gleichmäßig beliebt und viel gebraucht, und der zweite Teil des Ortsnamens»büttel« macht es wahrscheinlich, daß der Ort von den Sachsen und nicht von den Langobarden gegründet ist. Auch bei Zusammensetzung mit eigentümlich langobardischen Namen kann der Ort späteren Ursprung haben, indem nämlich die langobardische Namengebung auch in dem sächsisch-bardischen Mischvolke der späteren Zeit lebendig blieb. So ist Thomasburg wohl erst in der Zeit der Billinger entstanden. Immerhin beweist der große Umfang langobardischer Namengebung nicht nur, daß das Volkstum des Bardengaus überwiegend langobardisch ist, sondern auch, daß der größere Teil der Ortschaften in der Lüneburger Heide schon im 3. Jahrhundert n. Chr. vorhanden gewesen ist. Und zu dieser ältesten Schicht der Siedelungen diese Annahme glaube ich zu hoher Wahrscheinlichkeit gebracht zu haben gehörte auch der Ort Eliuni, der Kern der späteren Stadt Lüneburg.

Am Ende meiner Ausführungen will ich nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß sich nun die Entstehung Lüneburgs genau in der Weise vor unseren Augen abspielt, die C. Schuchbardt in seinem Vortrag auf der Baseler Philologenversammlung(Hof, Burg und Stadt bei Germanen und Griechen, Neue Jahrbücher für das klassische Altertum usw. 1908, I 5) als typisch für Alt-Europa nachgewiesen hat. Bis auf Karl den Großen sind im Sachsenlande die wichtigsten Burgen des Landes zefugia, Fluchtburgen, die pur in Kriegs- zeiten zum Sammeln des Aufgebotes und als Zuflucht für die Bevölkerung benutzt werden. An ihrem Fuße liest aber jedesmal ein Herrenhof, offenbar des Häuptlings oder Gaufürsten, der über die Burg verfügt, der das Aufgebot sammelt und die Verteidigung leitet. Als Karl das Sachsenland erobert, nimmt er zuerst diese Herrenhöfe und ihre Burgen in Beschlag; die Höfe werden Königshöfe(curtes rzegiae). Später will der Fürst ständig in einer Befestigung wohnen. Er baut sich ein festes Schloß auf dem Berge. Vielfach geschieht das in der alten Volksburg. Diese Adelsburgen sind dann der wichtigste Keim für Stadtbildungen geworden. Unter ihren schützenden Mauern zogen sich die bisher zerstreut Wohnenden mehr und mehr zusammen. Die Siedelung war zunächst ein offener Weiler, bis sie, besonders von Heinrich dem Löwen an, auch ihrerseits eine Befestigung erhielt. Khnlich ist es in Griechenland gewesen. In Athen ist die Akropolis(alt) zunächst die Fluchtburg gewesen, der dazu gehörige Herrenhof(des Ageus Königssitz) lag am Ilissos. Später hat der Fürst sich auf der Akropolis seine Herrenburg gebaut, um die dann ein Kreis von Weilern zusammen- wuchs(Synoikismos des Theseus) und schließlich die Stadt bildete. Ebenso ist in Rom der Palatin die alte Fluchtburg gewesen(nach Osthoff ist Balatium= u= litauisch Hilis»Burge. So weit Schuchhardt. Kehren wir nun zu Lüneburg zurück! Der Kalkberg ist in ältester Zeit die Fluchtburg, das zeigt der Name Hliuni»Zufluchtsort«; der Hof des Gaufürsten hat an seinem Fuße gelegen(etwa der Grimm oder das heutige Lüne, Domäne und Kloster, letztere Annahme würde das Uberspringen des Namens auf diese Ortschaft am leichtesten erklären); Hermann Billing oder ein Dynast vor ihm ¹) baut dann die feste Herrenburg auf dem Berge, die nun mit Recht Liuniburg heißtt. Auf dem Berge ersteht außerdem an Stelle des heidnischen Wodansaltars das Michaeliskloster, das erst nach Zerstörung der Burg ins Tal gelegt worden ist. Der Umstand, daß das Michaeliskloster in Lüne einen Hof besessen hat, spricht für den alten Zusammenhang zwischen dem Kalkberg und diesem Orte. Um die feste Burg schließt sich ein Kreis von offenen Weilern allmählich zu- sammen, den Grimm füllen die Burgmannen, die Altstadt mit der Sülze, Modestorp, Graal, der neue Markt und andere Siedlungen wachsen zu einander und bilden die Stadt, die zuletzt durch Gesamtbefestigung geschützt wird.

. ¹) Jste Hermannus primus castrum Tuneburg construxit et cenobium in honore sancti Michahelis(chron. mon. S. Mich.). Eine andere Nachricht nennt einen Ludolfinger: nno Domini 906 monasterium in monte Luneborch fundatum est ab Ottone duce Saxonum (bei Leibniz 8S I 261).