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Ich gehe nun zu der Umgegend Lüneburgs über, um zu untersuchen, ob es hier Ortschaften gibt, die erst der slavischen Eipwanderung ihre Entstehung verdanken. Von den Dörfern in unmittelbarer Nähe Lüneburgs nenne ich zuerst Dachtmissen. Der Name lautet 1330 Dachmisse=*Dachmumndishise. Ein Hof de Dachmunde hat in der Nähe des Kalkberges gelegen. Der Hofname ist zu beurteilen wie die Angabe aus Holland: villa gquae dicitur Withmundi(Wichmund bei Zütphen). Im Langobardischen heißt der Name Dachimundus, als Ortsname steckt er in den Bezeichnungen curtis Tacianus, locus Tagianus. Ein kleines Gehölz im Grimm oder in dessen Nähe wird genannt in der Lutrmunde oder Luthmene, vielleicht steckt in diesen Benennungen der 7oνd. PNV Lusimundus, da germanisches? langobardisch im Inlaut zu g wird.
Das Dorf Ochtmissen heißt 1004 Holtmannessun, sicher verschrieben für Ohtmannessun=*Ohrmannis- hüsun von dem Py Ohtman, wie das Dorf Ochtmannsbruch bei Hollenstedt. Öchtringen am Süsing, früher Ochterdinge, hat seinen Namen von einem Ohtoard oder Ohtard. Der zu Grunde liegende Stamm öhta- bedeutet vermutlich»Schrecken« und ist im Langobardischen vertreten durch die Namen Ocris, Octari und Octerammnuts.
Ob das Dorf deme(Odeme, van der Odem, von der Odeme, usen hoff tho der Odeme, also fem. wie in der Lutmunde) zu dem lobel. PNV Odemundus oder Audemundus, Audemdri gehört, oder ob hier von 6 „Besitz, Gute mit einem m-Suffx ein Substantiv gebildet ist, will ich nicht entscheiden. Das Dorf Deutsch- Evern(Everinge) trägt einen Namen, der ohne weiteres von dem des langobardischen Herzogs Zbor her- geleitet werden kann. Der Name Scharnebeck(Scerembeke, Schermbebe, Scerenbete) wird meistens mit „Scheidebach, Grenzbach« erklärt von»scheren«, was sprachlich möglich ist. Ich erinnere aber an das langobardische Wort scarn»Schmutz«, das in der Zusammensetzung scarnafol erhalten ist. Der Bach könnte also auch von Sumpfbildung genannt sein. Der Name kommt bekanntlich öfter vor, auch bei Winsen und bei Bremen. 1
Das Vorwerk Bilm(262 in villa Bilne, später Bylne, to Bilne, Hammerstein ohne Beleg Bilme, Belme) soll nach Kühnel einen slavischen Namen haben(Balina»Schönfelde von bélu»weiß«). Das kurze 7 spricht dagegen. Ist wirklich nicht m, sondern n in dem Namen ursprünglich, so haben wir einen Kasus des lgναd. Kurznamens Billo anzunehmen, Billin oder Billono. Der Großvater des Königs Kaltchis hieß Billo. Auch die patronymische Weiterbildung Billung ist langobardisch(Billongus, Bilongus). Die Namensippe gehört zu bil„Schwerte.
Von dem Namen des Hofes Olm kenne ich leider keine älteren Formen, so daß ich zu keinem Urteil über ihn kommen kann. Manecke nennt das Gut„»Olm oder Ulm, Kühnel findet auf einer Karte von 1800 bei Erbstorf:»der Olm(See mit Landzunge)«(?). Der Name klingt an die altlüneburgischen Bürgernamen Ole, Olen, Olferus, Olmer an, die wohl mit den(eεēν. PNV Odfredus und Olmundus sämtlich zu ddi!, uodal „»Erbgute gehören. Man könnte aber auch an die dunkeln Ortsnamen des gleichen Klanges denken, wie Cima(Ulm), Olma(Ollheim bei Köln), VImena(Olm bei Mainz), lmum(tabula Peuting.), die, so viel ich weiß, noch nicht gedeutet sind. Vielleicht gehört der lgõd. PNV lmaricus zu diesem unbekannten Stamme. ¹)
3 Barendorf(Barendonpe, Barndonphe, Bardenthorbe) hat seinen Namen von einem Baro oder Bardo, beide Namen sind langobardisch; der Name Bardowiek dagegen(Bardenwih bei Einhard, Barqanwich, Bardunwich, Bardonwich, Bardaenoowic 6O cabit. Car. M.) bedeutet offenbar»Stadt der Barden« im Gegensatz zu den Dörfern der Barden und enthält also den Volksnamen. Auch in Italien nennen sich die Langobarden noch zuweilen mit dem einfachen Namen»Barden«. Während die übrigen oben angegebenen Formen des Ortsnamens eigentliche Zusammensetzung aufweisen, zeigt die Form Bardaenoowic uneigentliche, es ist hier ein deutlicher gen. Bl. der schwachen Deklination erhalten(Bardend).
Adendorf(Atendonpe, Adendonbbe) enthält den Genitiv des loν. PV Ado, Ato, Atto, Erbstorf (Euhestorhe) gehört zu ags. eor, ahd. enpf»bpraun, dunkel«, dessen 5 in dem Hννd. V Sinenbus noch unverschoben vorliegt, während es im 745. Erfo, Herfutald, Henphemdrius zu f(Ei) verschoben erscheint. Der Name Epbestonbe geht auf die Kurzform*Erbi zurück wie Enhigord(Erfurt), während die Form En’o, Erfo dem Namen des Dorfes Erpensen bei Wittingen(=⸗ Euhinhusun) zu Grunde liegt.
¹) Auf der Karte von Daniel Frese aus d. J. 1580(bei Jürgens, Geschichte der Stadt Lüneburg) heißt der Ort Johan Jobings Hof, nördlich davon steht das Wort oderdick(d. h. der Rader Teich, aus dem der Rader Bach zur Ilmenau floß, genannt nach dem untergegangenen Dorfe Rade). Auf derselben Karte trägt der Wald zwischen Adendorf und Erbstorf den Vermerk Im Snarck. Dieser Name gehört wohl zu ahd. snaracha»Vogelschlinge«(nd. snarr), éisnerchan»umgarnen« und bedeutet also „»Vogelfang, Dohnenstiege. bamit werden auch die Flurnamen Im Schnorck(bei Beutow) und Schnorken(bei Wedderien und Pudripp) zusammenaustellen sein(gegen Kühnel).


