Aufsatz 
Über Sophokleische Naturanschauung
Entstehung
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kaum erlangt, in Nichts zerrinnt und wir doch auch von dem Nichts nicht lassen, weder davon lassen noch es festhalten können, auf das Deutlichste in anmuthig naiver Weise zur Anschauung bringt.

99) Nur Einiges aus dieser Sophokleischen Tonsprache, die durch den blossen Klang der Worte und ihre rhythmische Bewegung Einpfindungen, tiefe Naturgefühlc, nicht nur ausdriickt, sonfern auch erweckt, will ich hier anfähren. Siissflötendée, Ruhe in das Herz giessende, sanft einwiegende Töne hören wir im Oe-

7 2 22, 2 4. dipus auf Kolonos v. 11: xυνπην⁶νντειοι σνινεOσ uνο αἀτον εαιςσοωνινσν oGðeνντε, zuö welcher Stelle auch der Scholiast die passende Bemerkung macht: uοαυν ενννσ r= d⁴oeεt, 1oπιε ιειι⁶αω¶m⁴tεν⁸ ναα ;; 1 e 3 27 1ααά 20μ⁷, dann im Philoktet v. 18: 2 996, 0 dnron e dνσσοσπ Te: n1*, und in dem Schlummerliede dieser Tragödie besonders v. 812 iαιν*ευαοωνιε, zumal wenn wir in den Rhythmen einen Antispast und ischiorrhogische Jamben erkennen; es werden uns dann gleichsam die letzten immer leiseren in Schlaf wiegenden Schaukelungen in der rhyfümischen Bewegung der Worte fühl- bar. Hellen Vogelsang und die Schärfe der Morgenluft hören und fühlen wir in den Versen der Elektra 17 und 18: Gcσᷣ †◻☚αυ εν lQ/₃/ꝛ³gοdν ενμα εμας Eναάα᷑ ᷣαε νϑκαάην qευονν⁴νινων mαm, und einen ähnlichen Eiudruck machen auch die nur noch schneidenderen Töne im Aufange des Ajax: e 10d*, 7 ar. Aaria, 6οορνρ⁴ σε εοσν τενυ εe⁊?⸗ν aondoα ϑdεμενον, die besonders zu dem Charakter der Athene in diesem Stücke, der etwas Hartes und Schroffes hat, was an die Behandlung des Minervenideals durch die ältere Kunst erinnert, sehr wohl passen. Rhipäische Nachtschauer ferner werden uns fühlbar Oed. Col. 1247: al de vufidy and Pinäy, Wo besonders das Doppelrho eine starke Wirkung übt; das milde Wehen des Lichtes aber fühlen wir im Philoktet in dem dreimal wiederkehrenden sanften p V. 297:* Q d†αeντον νο, 6 εl⁴⁴μ⁸ε 4 det. Und der mit stiller Lust in seine eigene Unendlichkeit wie in ein selbstbereitetes 5 5........ 3 Felsengrab sich versenkende, sich verbergende und in nie versiegende Thränen sich auflösende Schmerz konnte uns wohl nicht lebendiger durch geistige und sinnliche Mittel zur Anschauung gebracht Werden, als es in den bewunderungswiirdigen Worten in der Elektra geschieht v. 150 152: 100 παάηꝙꝙτνQμ⁵ιν Naéα, dx 2 2⸗ d**ουeꝓ vει ειέν, 7 7. dr dνν ταρα τμέτοαισι 3. ale* ασςεες(vgl. die schöne Stelle in der Antigone über die Niohe v. 826 u. d. flg. und

Welcker a. a. O. Th. I, S. 296).

100) Bemerkenswerth erscheint es ibrigens, dass ausser diesen Naturbildern bei Sophokles auch noch mehrere

........... 2. besonders schöne und eigenthümliche Bilder, die aus dem Bereiche der Künste entnommen sind, sich vor- 1 Lenl. 5 1 1 6 c r finden. Vornehmlich aber sind es die Künste der Bearbeitung des Eisens und die des Zimmermanns, die zu mehreren treffenden Bildern benutzt werden, s. Antigone 413, auch Oedipus rex 1196, ferner Trachin. 7 4 4 2. 8 34 7 768, ebenda v. 698, Frg. 307: r0 H⁴εινν½υνιωσςσι τς ασαονωπ à ε᷑xακνριαάα⁴ οι, ⸗˙d 1ddα³‿ euν ιι .. 6. 27 euνun ⁴ας(richtiger lerxn, r6ιmφ sielleicht auch» statt), und ganz besonders Frg. 421(aus .......

dem Oenomaus), wozu auch noch der sehr häufige, oft sehr eigenthiimliche Gebrauch der Worte Srιπμόιαεοος,

Su,1εμέιτεεέςασεαιι und ähnlicher pei dei Dichter kommt. Nun berichten uns bekanntlich zwei nicht unbe- deutende alte Schriftsteller, Aristoxenus und Ister, Sophokles habe einen Zimmermann oder einen Schmidt und Schwertfeger zum Vater gehabt(s. die vita Sophoclis, die gewöhnlich der Ausgabe seiner Tragödien vorangestellt wird, vgl. Lessings Leben des Sophokles, sämmtliche Schriften, Berlin 1826, B. 10, S. 24 u. d. flg., und F. Schultz de vita Sophoclis poëtae. Berol. 1836, P. 17), eine Angabe, mit der die angeführten Stellen in unverkennbarem Zusammeunhange stehen. Nur dass iiber die Art dieses Zusammenhanges zwei ganz verschiedene Ansichten möglich sind. Entweder nehmlich kann man eine Bestätigung jener Angabe in ihnen finden, Sophokles Vater, der dabei immer ein ganz angesehener Mann gewesen sein kann(vgl. Schultz B. I, P. 18), hielt Sklaven, die beiderlei Kinste betrieben; natirlich kam auch der Sohn zuweilen in die Werk- stätte, unter solchen Kindheitseindriicken wuchs er auf, und immer blieben sie ihm, wie Eindriicke aus jener Zeit wohl den meisten Menschen, besonders tren und lieb, daher das Behagen, mit welchem er auch als Dichter bei ihmen verwellt; entnimmt doch auch Aristoteles, dessen Vater ein wackerer Arzt war(s. A. Stahr Aristotelia, Halle 1836, Th. I, S. 32) gern Beispiele aus der Arzneikunst. Oder es hatten die Ko- miker mit ihrer scharfen Nase auch schon diese Eigenthiimlichkeit des Dichters aufgespürt, auch er sollte nicht ungeneckt bleiben, da Wurde er in Folge dessen zu einem Zimmermanus- oder Schwertfeger-Sohne gemacht und daher fliessen die Angaben über seine Herkunft bei jenen später lebenden Schriftstellern. Es

, ist schwer sich hier zu entscheiden. Das Schwankende in Aristoxenos Angahe 10⁹ Joq ov, de 1er‿ 5 Zalzes 7, scheint allerdings, s. Lessing a. a. O. S. 27, auf. eine solche Entstehnng derselben hinzu- deuten; jedenfalls wäre ihr Urspruug damit besser erklärt, als von Lessing selbst(a. a. O. S./27 1mit seinem missverstandlenen Koloniaten, der auch in einen Koloniten verwandelt doch immer noch nicht gerade auf einen Schmidt oder einen Zimmermaun hinführte. Aber der vermögende Sophilus konnte ja auch beide Handwerke durch Sklaven betreiben lassen; ausserdem aber hat man doch weiter keinen Grund jenen Nach- richten zu misstrauen undl sich den Zimmermannssohn in Sophokles rauben zu lassen.

Noch bemerke ich, dass mit der die Einleitung dieser Abhandlung bildenden Auseinandersetzung des Verhältnisses der Kunsttheorie zu der künstlerischen Production vornehmlich die geistvollen ldeen Friedrich von Schlegels zu vergleichen sind in der Schrift über das Studiium der griechischen Poesie, Werke Wien 1822, Bd. 5., S. 97 u. d. f. Nächstdem sind na- türlich auch Hegels tief eindringende Erörterungen, Aesthetik, herausgeg. von fotho, Berlin 1835. Bd. 1. S. 53, u. 96 103, u. S. 380 ‚nicht unberücksichtigt geblieben, wenn auch über das Individuelle in der künstlerischen Thätigkeit Hegel sich nur in sehr allgemeinen Andeutungen ausspricht.