Aufsatz 
Das zweite Buch und die erste Hälfte des vierten Buches der Georgika von P. Vergilius Maro
Entstehung
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Wo Dornen wuchern in der Runde,

Da wird der Pallas Baum gedeihn, Um manch Geſchlecht zu überleben;

Der wilde Olbaum, deſſen Beeren Ringsum verſtreut, kann ſolches lehren. Ganz anders iſt es mit den Reben. Wo fett der Grund, grasreich die Flur, Wo für Bewäſſ'rung die Natur

Stets ſorgt, wo üppig das Gefild,

Wie oft wir's von der Höh' entdecken Im Bergthal, ausgehöhlt zum Becken, Wo aus der Felswand ſickernd quillt Gewäſſer, führend Schlamm gedeihlich, Wo das Geländ' dem Südwind offen, Wo Farrenkraut viel angetroffen, Verhaßt dem Pflug; da ſproßt erfreulich Der Weinſtock Dir, und bringt voll Kraft Dir Trauben, ſtrotzend von dem Saft, Den wir, die gold'ne Schal' in Händen, An dem Altar den Göttern ſpenden, Wenn das Gekröſe bei dem Mahle Liegt dampfend in gebog'ner Schale, Und feiſt von Opferſchmauſerei'n

Der Tusker bläſt das Elfenbein.

Doch willſt du, daß man dich beneide Um deine Ziegen, Schafe, Rinder,

Zieh gen Tarent, wo fette Weide;

Die Flur empfehl' ich dir nicht minder, Mein armes Mantua, dir entriſſen,

Wo auf beſchilftem Waſſerplan. Im Silberglanz ſich wiegt der Schwan. Nichts wird daſelbſt der Hirt vermiſſen, Der Quell ſo klar, ſo friſch der Raſen! Und was an Kraut die Heerden graſen, Erſetzt, bevor der Tag erwacht,

Die Ruh', der Tau der Sommernacht.

Wo dunkelfarbiges Gelände,

Fett unterm Pflug, mit lock'rem Grunde, Da bau Getreid', und reiche Spende Verſprech' ich dir, und dies bekunde, Daß nirgends ſo viel Erntewagen

Den Garbenreichtum heimwärts tragen. Auch dort blüht reicher Ährenſegen,

Wo Waldgrund lange wüſt gelegen,

Der erſt ſeit kurzem Ackerland.

Der Pflanzer nahm die Axt zur Hand, Und, wie im Zorn, mit mächt'gen Streichen Fällt' er die Buchen und die Eichen, In deren ragendem Geäſt

Die Vögel hatten Neſt an Neſt.

Sie flogen fort, um ihre Klagen Dem tauben Himmel zuzutragen,

Und, wo ſonſt Baum und Strauchwerk ſtand,

Glänzt jetzt hochſchollig Ackerland.

Jedoch auf magern Hügelreih'n, Mit Kies wie überſät, gedeih'n Nur Rosmarin und Zeiland, Speiſe

Für Bienen. Flieh den Boden, gleicherweiſe

Auch den, wo ſchart'ger Tuff, und Kreide, Zernagt von Nattern. Süße Weide

Für Schlangen wird daſelbſt gefunden, Die ſich in Höhlen, krumm, gewunden, In Ritzen, wie in erd'gen Spalten Verborgen vor dem Tage halten.

Gelände, welches Dunſt in Fülle Aushaucht; mit luft'ger Nebelhülle Sich oft umgiebt; leicht aus und ein Die Näſſe läßt, und ſich ein Kleid Aus eig'nem Grün webt jederzeit; Ein Acker, der beim Pflügen rein Von Roſt und Schärfe läßt das Eiſen; O, den muß ich vor allem preiſen!

Der bringt dir Ol, der wird mit Reben Den ſchlanken Ulmenbaum umweben, Der füllt die Scheuern mit Getreide, Gewährt den Herden ſaft'ge Weide. Seht, ſolchem Boden dankt den Ruf Das Gartenland um den Veſuv

Und um das reiche Capua,

Und um Acerrä, das zu nah

Dem Clanius, welcher, oft ihm grollend, Daher mit zorn'gen Wogen rollend, Verheert die Felder rings umher,

Und läßt das Städtchen menſchenleer.

Das Mittel gilt es jetzt zu nennen, Wie Grund und Boden zu erkennen;

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