Aufsatz 
Eine naturgeschichtliche Abhandlung
Entstehung
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Zuſammenſetzung(daß nämlich die Mineralien binäre, die organiſchen Naturkörper ternäre oder quaternäre Verbindungen ſeien) oder nach der Entſtehung(daß organiſche Körper nur aus ihnen gleichen entſtehen) ſind nicht durchgreifend oder noch nicht entſchieden. Das Spe⸗ ziellere würde zu weit führen; daher ſoll auch Nichts über die ſogen. amorphen Mineralien, welche gegen obige Beſtimmung zu ſtreiten ſcheinen, geſagt werden.

2.

Schwieriger, ja für jetzt noch unmöglich iſt die erſchöpfende Definition von Pflanze und Thier, die ſcharfe Grenzbeſtimmung zwiſchen Pflanzen⸗ und Thierreich.) Die höheren Formen derſelben zeigen allerdings ſehr zahlreiche, auffallende Verſchiedenheiten; viele der einfachſten Organismen dagegen ſpotten gleichſam jeder Bemühung, ihnen einen feſten Platz in einem der beiden organiſchen Reiche zuzuweiſen, und die tüchtigſten Forſcher ſind nicht im Stande geweſen, ein in zweifelhaften Fällen der Diagnoſe völlig ſentſcheidendes Merkmal anzugeben, ſo treff⸗ liche Definitionen von ihnen auch aufgeſtellt wurden. Dieſe Ungewißheit betrifft die Infuſorien (Protozoa) unter den Thieren und die Algen unter den Pflanzen. So zählt Ehrenberg) die Volvocinen, Cloſterien und Bacillarien zu den Infuſorien, v. Siebold) weiſt ſie unter die Algen. In Betreff der Bacillarien ſtehen auf Ehrenbergs Seite: Eckhard, Corda u. A., auf v. Siebold's: Kützing, Meyen, Link, Mohl, Unger u. A. Die Art Protococcus nivalis (der ſogen. rothe Schnee, ein einzelliger Organismus) wird von Unger und Ehrenberg zu den Pflanzen, von Vogt und Meyen zu den Thieren gerechnet. Die Oscillarien verweiſt Ehren⸗ berg und Meyen unter die Algen, Unger unter die Thiere. Die Vibrionen rechnet Cohn zu den Oscillarien.) Die Euglenen, welche Leuckart in's Pflanzeureich weiſt,s) würde er auch dahin ſtellen, wenn ſie nicht beſtändig ihre Geſtalt in höchſt energiſcher Weiſe veränderten. Leuckart ſagt:*)Bacillarien, Cloſterien u. a. ſind offenbar niedre Pflanzen, die Monaden

ſind Sporen verſchiedener Algen. Ebenſowenig finden die Schwämme(Spongiae) einen unbe⸗ ſtrittenen Platz. ¹⁰)

Chemie). Der Diamant hat die Tendenz zum Sphäriſchen.(S. darüber Glocker's Grundr. d. Mineral. Nürnberg 1839, p. 36.) 4

4)Die Definitionen von Thieren und Pflanzen gelten nur da, wo man auch ohne ſie ſich zurecht findet, und laſſen augenblicklich im Stiche, wo man ihrer wirklich bedarf.Wir finden eine große Anzahl mikro⸗ ſkopiſcher Organismen, bei denen ſelbſt die gründlichſte Unterſuchung und Prüfung aller Merkmale uns dar⸗ uber in Zweifel läßt, in welches der beiden Naturreiche wir ſie als Bürger einzureihen haben.(F. Cohn Die mikroſkopiſche Welt, Leipzig 1855, p. 710.)

5) Die Infuſionsthierchen als vollend. Organ., Leipzig 1838.

6) Vergl. Anatomie v. v. Siebold u. Stannius, Berlin 1818.

2) Unterſuch. über die Entwicklungsgeſchichte d. mikroſk. Algen und Pilze.(Verhandl. d. K. Akad. d. Naturf. 1854. 1. Abth. p. 101 256.)

8) Vergl. Anat. u. Phyſiol. p. 132. Cohn, d. mikr. Welt P. 719.

9) A. a. O. p. 52.

10) So ſagt Cohn(D. mikr. Welt, p. 710):Wir glauben vorläufig wenigſtens das gefunden zu haben, daß die Schwämme nicht ins Pflanzenreich gehören, daher wohl Thiere ſein müſſen. Zum Verſtändniß fur Diejenigen, welche mit den niederſten Thier⸗ nnd Pflanzenformen weniger bekannt ſind, diene folgende Erläuterung:

1*