Das Alexanderſied des zwölften Jahrhunderts.
IIo; d Spovet, sSatovias Toy bd,)2. Sophocles Antig. v. 1317.
Wilt du— das guot ze sèére minnen, du maht verliesen Sèle unt ére. da von volge miner lére, leg üf die wäge ein rechtez lôt, und wig et dar mit allen dinen sinnen, als ez diu mäze uns ie gebôt. Walthor von der Vogolweide.
Wenn man von der Poeſie ſagt, daß ſich von ihr nur reden laſſe in Poeſie, ſo meint man damit, daß ſie in ihrer ſchöpferiſchen Kraft nichts Lehrbares und auf Andere zu Uebertragendes an ſich habe, man verſteht darunter jene urſprüngliche Geiſteskraft, die nicht gelernt werden kann, jene innere, untheilbare, Eine Poeſie, die aller durch Wort und Schrift mitgetheilten zu Grunde liegt.
Da ich dich kenne, ſagt Göthe, bin ich faſt allein; ich muß mein Glück nur mit mir ſelbſt genießen, dein holdes Licht verdecken und verſchließen.
Ein Funke aber dieſes ſchaffenden Geiſtes, dieſer Urſprünglichkeit glüht, freilich zumeiſt verdeckt unter der Aſche der Alltäglichkeit, in uns Allen. Darum ſoll auch der Dichter andererſeits das von der Gottheit anvertraute „edle Gut“ den Brüdern zeigen.) Dem Glücklichen kann es an nichts gebrechen,„der dieß Geſchenk mit ſtiller Seele nimmt, aus Morgenduft gewebt und Sonnenklarheit, der Dichtung Schleier aus der Hand der Wahrheit.“
Vor der Poeſie verſchwindet aller Schmerz des Lebens und ſelbſt der Tod erſcheint uns mild und ſchön,²) wie jegliche Luſt, ein friſch erneuter Segen, der frohe Genuß, vereint mit Poeſie, nur glücklicher macht, ja nach dem Tode ſich noch im Andenken der Enkel liebevoll bewahrt..
„Uns allein hat der Himmel ſie verbunden, und ihr geboten in Freud' und Elend nicht zu entweichen. ³) Alle die andern armen Geſchlechter der kinderreichen, lebendigen Erde wandeln und weiden im dunkeln Genuß und trüben Schmerzen des augenblicklichen beſchränkten Lebens, gebeugt vom Joche der Nothdurſt.“ Es giebt nach W. v. Humboldt nichts ſo Bezauberndes, als die Werke des dichteriſchen Genies. Nur ſie ſcheinen eigentliche Produktionen, nur ſie Werke, die für ſich beſtehend, auf die Nachwelt gelangen können. Dieſe Behauptung würde zu erweitern und ſo zu erklären ſein, daß die Grundlage aller Künſte und Wiſſenſchaften die Poeſie ſei. Sie iſt die älteſte einzige Lehrerin des Volks, ihr Urſprung geht auf die älteſten Zeiten der geiſtigen Entwickelung der
1) Zueignung. 2) Die Künſtler. 3) Meine Göttin.


