Aufsatz 
Volkskundliches bei Theodor Storm
Entstehung
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Lena Wies durch ihre meisterhaft erzählten plattdeutschen Spukgeschichten auf die Phantasie des Knaben ¹), der bald selbst Freude amStücken ver- tellen fand. Als Kameraden im Märchenland schildert der Dichter im Vor- wort zu den neuen Geschichten aus der Tonne den auch noch Storms Kin- dern vertrauten Hans Räuber ²). Die in der Tonne, unter der Bodentreppe oder in einem sonstigen Märchenversteck erzählten Geschichten wirken so mächtig auf die Knaben ein, daß sie einmal unter dem Eindruck der Ge- spenstersage Niß Puck aus der Dachluke gucken sehen ³).

So ist denn auch in den Novellen viel vom Märchenerzählen die Rede. Die Erwachsenen unterhalten die Kleinen durch allbekannte Volksmärchen 4), bisweilen übernehmen die Kinder selbst die Erzählerrolle 5).

Uberhaupt verleiht Storm gerne seinen Gestalten die eigene Teilnahme für die Volksdichtung: Anna schafft den auf sie einstürmenden Gefühlen in einem Volksliede Luft und Arnold singt seinem Zõgling zur Freude das liebe deutsche LiedSo viel Stern am Himmel stehn...* 6). In der Erinnerungs- novelleImmensee mahnt der Volksliederforscher Reinhard deutlich an Storm selbst. Mit dem Dichter teilt er die Begeisterung für das Volkslied, die romantische Vorstellung von seinem Ursprung?) und wie er für Elisabeth, so hat auch Storm für die kleine Berta von Buchau Märchen und Volkslieder aufgezeichnet). Storms eigene Anschauungen sind es auch, wenn Auswüchsen des Aberglaubens entgegengetreten wird: Hauke Haie bricht mit der Uber- lieferung, etwas Lebendes müsse beim Dammbau verschüttet werden), und Agnes Hansen sagt über den Spökenkieker, derwas sehen könne,Er sieht nur rückwärts in sein eigenes törichtes und sündhaftes Leben!* ¹⁰) Häufiger freilich zeichnet der Volkskundler und Künstler ganz im Bannkreis des heimi- schen Volksglaubens stehende Personen wie die Mutter Margreth ¹¹). Eine der-

1) 1870 hat sie der Dichter in einem abgerundeten Lebensbild verewigt. Werke, Bd 3, S. 138 ff. Gertrude Storm, a. a. O., I. Bd, S. 54.(Lena 1873 gestorben?)

2) Werke, Bd 2, S. 213 ff.; Gertrude Storm, a. a. O., I. Bd, S. 49.

3) Die Niß Puck-Geschichte war auch unter Storms Müllenhoff überlassenen Aufzeich- nungen. Vgl. Müllenhoff, a. a. O., S. 332 f. Uber die Storm durchs Leben gebliebene Freude am Erzählen von Gespenstergeschichten und Märchen vgl. Gertrude Storm, a. a. O., Bd 2, S. 17, 35; Schütze, a. a. O., S. 235.

4) So der Oheim(Im Schloß. Werke, Bd 1, S. 132); Lenes Großmutter(Bötjer Basch. Bd 7, S. 24); Der Bettelfritz mit seinen Hexengeschichten.(Ein grünes Blatt, Bd 1, S. 106); Frau Elsi(Ein Bekenntnis. Bd 8, S. 129).

5) Reinhard(Immensee. Bd 1, S. 5); Jenni(Von jenseits. Bd 1, S. 240).

6) Im Schloß. Werke, Bd 1, S. 124; S. 140 f.

7) Werke, Bd 1, S. 30. Vgl. Gratopp, a. a. O., S. 15.

8) Gertrude Storm, a. a. O., Bd 1, S. 148 f. Das der kleinen Klisabeth erzählte Mär- chen von den drei Spinnfrauen ließ Storm in künstlerischer Vereinfachung 1846 in Bier- natzkis Volksbuch erscheinen. Werke, Bd 1, S. 5; Bd 9, S. 193 ff.

9) Werke, Bd 7, S. 243 f.

10) Werke, Bd 5, S. 9.

11) Abseits. Bd 1, S. 226.

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