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gehen!* ¹) Der Groll über die Not des bedrückten Landes klingt im Liede wieder ³), gibt zu herber Fassung gedämpft den Unterton zur Erlebnisgeschichte
„Unter dem Tannenbaum
und kehrt abgeklärt auch sonst wieder ³). Daß er bei diesem Eintreten für die engere Heimatscholle und trotz aller persönlichen Gegnerschaft gegen Preußen gemeindeutschen Zielen sein Herz schenkt, zeigt 1863 sein Ausruf:„Die Herrlichkeit der deutschen Nation ist im Beginnen!*⁴).
Aber nicht nur der politischen Freiheit der Heimat gilt sein Wort, gleich innig hängt er an ihrer Eigenart und deren Niederschlag: Sitte, Brauch und Uberlieferung. Ein Sinnbild hiefür ist der liebevolle Zauber, in den der Dichter das Weihnachtsfest in mehr denn einer Novelle zu kleiden versteht. Die Ge- fühlswelt baut sich dabei aber immer auf gesundem Wirklichkeitssinn auf: Wir sehen den Weihnachtsbaum im Husumer Bürgerhaus und hören das auch unsere Weihnachtsspiele durchziehende Lied:„Vom Himmel hoch, da komm ich her!* ⁵).
Für die Art und den Umfang der künstlerischen Verwertung der An- schauungen des Volkes ist es von Bedeutung, daß Storm an sie am Beginne seines Schaffens als Forscher herantritt. Im Verein mit seinem Studienfreund Theodor Mommsen sammelte er Sagen„als Erzeugnis des Volkslebens und als einen Teil desselben“. In Biernatzkis Volksbuch erscheinen 1844 Proben mit einer die wissenschaftlichen Grundsätze der Sammler bekundenden Einlei- tung ⁶). Zur Fertigstellung des geplanten Werkes kamen sie zwar nicht, über- ließen aber ihre Aufzeichnungen ihrem mit ihnen zugleich selbständig an das Aufsammeln herangetretenen Mitarbeiter Karl Müllenhoff, der dann 1845 seine noch heute unentbehrliche, im Geiste der Brüder Grimm gearbeitete Ausgabe der Sagen, Märchen und Lieder Schleswig-Holsteins herausgab. Das Vorrecht, den bedeutsamen Vorsatz einer wissenschaftlichen Aufsammlung der heimischen Volksdichtung ausgesprochen zu haben, räumt er selbst Storm und Momm- sen ein).
Die Empfänglichkeit für die Volksdichtung fand bei Storm schon in früher Kinderzeit Nahrung. Im Zwielicht der winterlichen Dämmerung erzählte die Großmutter Woldsen den Enkeln gerne Märchen ⁵); nicht minder wirkte
1) Theodor Storms Sämtliche Werke. Neue Ausgabe in 8 Bänden. 12. A. Braun- schweig, 1905. Bd I1, S. 179 f.
²) Im Herbste.— Gräber an der Küste.— Ein Epilog.— I. Januar 1851.— Ab- schied.— Gedenkst du noch?— Gartenspuk.— Gräber in Schleswig.
3) So in der Novelle„Abseits“. Der tiefe Sinn des Bibelspruches auf dem Grabstein des gefallenen Lehrersohnes:„Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde“(Werke, Bd 1, S. 218) zeigt uns Storm eins mit dem Gegen- wartsgedanken des deutschen Volkes.
4) Werke, Bd 1, S. 233.
5) Ebda, S. 176; Bd⁴ 2, S. 295; Bd 5, S. 103.
6) Werke, Bd 9. S. 75 ff., 191 ff.
7) Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg. 1845. Neudruck, 1911, S. V.
8) Gertrude Storm, a. a. O., I. Bd S. 52.


