Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Entstehung
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das Vorrecht? Weil wir älter sind und gescheiter! Guter Gott von Deinem Himmel! Alte Kinder siehst Du und junge Kinder und nichts weiter; und an welchen Du mehr Freude hast, das hat Dein Sohn schon lange ver- kündigt. Aber sie glauben an ihn und hören ihn nicht das ist auch was Altes und bilden ihre Kinder nach sich...(Brief vom 29. Juni 1771.)

Zu berücksichtigen ist herhei die pedantisch-uniforme Er- ziehungsweise des vorigen Jahrhunderls und schmerzliche Er- innerungen Goelhes an die eigene Hindheit, die pedantische Strenge seines Valers.

(Gegen die üble Laune.)Es ist mit der üblen Laune völlig wie mit der Trägheit; denn es ist eine Art von Trägheit. Unsere Natur hängt sebr dabin; und doch, wenn wir nur einmal die Kraft baben, uns zu ermannen, geht uns die Arbeit frisch von der Hand. und wir finden in der Thätigkeit ein wahres Ver- gnügen. Man predigt gegen so viele Laster; ich habe noch nie gehört, dass man gegen die üble Laune vom Predigt- stuhle gearbeitet hätte.... Ist es nicht genug, dass wir einander nicht glücklich machen können? Müssen wir auch noch einander das Vergnügen rauben, das jedes Herz sich noch manchmal selbst gewähren kann? Und nennen Sie mir den Menschen, der übler Laune ist und so brav dabei, sie zu verbergen, sie allein zu tragen, ohne die Freude um sich her zu zerstören! Oder ist sie nicht viel- mehr ein innerer Unmuth über unsere eigene Unwürdigkeit, ein Missfallen an uns selbst, das immer mit einem Neide verknüpft ist, der durch eine thörichte Eitelkeit aufgehetzt wird? Wir senen glückliche Menschen, die wir nicht glücklich machen, und das ist unerträglich.(Brief vom 1. Juli 1771.)