Aufsatz 
Festschrift zur Gedenkfeier des hundertjährigen Bestehens der Anstalt
Entstehung
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Goethe war, als er denWerther schrieb, ein Mann

von 24 Jahren. Man erstaunt über die Reife der An- schauung und die sichere Beurteilung, die der junge Autor auch auf dem Gebiet der Pädagogik entfaltet, Eigenschaften, die sonst die Erfahrung eines höheren Alters voraussetzen. Nicht wenig mag zur Entwicklung des Interesses für das Werk der Erziehung sein täglicher Umgang mit den sieben Buben des deutschen Hauses und mit den Garbenheimer Dorftkindern beigetragen haben. Wir stellen im Folgenden die Hauptstellen imWerther zusammen und erblicken in ihnen einen Vorklang des eindringenden Verständnisses in Erziehungsfragen, das seine späteren Schriften so vielfach

bezeugen.

(Gegen die Sucht, den Kindern die eigene Arl aufsudrängen.) Meinem Herzen sind die Kinder am nächsten auf der Erde. Wenn ich ihnen zusehe und in dem kleinen Dinge die Keime aller Tugenden, aller Kräfte sehe, die sie einmal so nöthig brauchen werden; wenn ich in dem Eigensinne künftige Staudhaftigkeit und Festigkeit des Charakters, in dem Muthwillen Humor und Leichtigkeit, über die Gefahren der Welt hinzuschlüpfen, erblicke, Alles so unverdorben, so ganz! immer, immer wiederhole ich dann die goldenen Worte des Lehrers der Menschen:Wenn Ihr nicht werdet wie Eines von diesen! Und nun, mein Bester, sie, die Unseresgleichen sind, die wir als unsere Muster ansehen sollten, behandeln wir als Unterthanen. Sie sollen keinen Willen haben! Haben wir denn keinen? Und wo liegt