8 m Jahre 1555 liess die Stadt Wetzlar für eine lutherische
— Schule mehrere Räume des eingegangenen Franzis- kanerklosters herrichten. Neben dem Katechismus, Lesen, Schreiben und Rechnen ward dort in zwei, später in drei Ab- teilungen auch die lateinische Sprache betrieben; im Laufe der Zeit kamen Griechisch und Hebräisch als Lehrgegen- stände für die oberste Abteilung, die Rektorklasse, hinzu. Diese städtische Lateinschule stellte sich in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit der 1695 für katholische Knaben gegründeten Jesuitenanstalt dadurch auf eine Stufe, dass sie den Namen„Gymnasium“ annahm. Da ihr aber der nötige Unterhalt abging und neue Geldmittel nicht flüssig gemacht werden konnten, so war ihre Entwickelung gehemmt und sie geriet allmählich in Verfall. Wohl versuchten Bürger- meister und Rat im Jahre 1788 durch eine neue Schul- ordnung den Untergang aufzuhalten. Aber statt dass, wie man gehofft, diese Schulordnung die verödeten Klassen wieder füllte, wurde die Schülerzahl immer geringer, bis im Jahre 1798 der Rektor in seiner Klasse nur einen einzigen Schüler hatte. Da bildete sich in der Stadt eine„gemein- nützige Gesellschaft“, durch deren Anregung das„lutherische Schulinstitut“ zustande kam. In demselben trug die Stadt dem Bedürfnis nach bloss elementarer und nach höherer
Bildung zum ersten Mal durch getrennte Schulen Rechnung.
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Für die folgende Darstellung sind ausser den an den betreffen- den Stellen namhaft gemachten Hilfsmitteln die Akten des Gymnasiums und eine auf gründlicher Quellenforschung beruhende ungedruckte Ar- beit des Geheimen Regierungsrats Dr. Gideon Vogt in Cassel benutzt worden. Derselbe war vom Anfange des Jahres 1867 bis zum Herbst 1870 Direktor der hiesigen Anstalt.


