Aufsatz 
Augier Ghiselin von Busbeck, Vier türkische Sendschreiben. 1554. Erstes Sendschreiben : Festgabe des Kgl. humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein zur 50-Jahrfeier der Gemeinde Ludwigshafen am Rhein
Entstehung
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Vier türkische Sendschreiben. 1554.

I.

Ogier(Augier) Ghiselin, Herr von Busbeque und Comines im Departement Nord an der Leye(Lys), ist dem engeren Kreise der Orientalisten und Humanisten keine unbekannte Grösse. Seine lateinisch geschriebenen Gresandtschaftsbriefe aus der Türkei vom Hof- und Kriegslager Solimans I. des Grossen waren zwei bis drei Jahrhunderte lang, in fast alle Sprachen Europas übersetzt, in den Händen der Gebildeten. Erst im 19. Jahrhundert waren sie so gut wie verschollen, bis die beiden englischen Forscher Ch. Th. Forster und F. H. B. Daniell durch die Neuherausgabe der Briefe und eine quellenmässige Darstellung des Lebens des berühmten Diplo- maten und Humanisten ein neues und erwünschtes Licht auf eine der wichtigten und glänzendsten Epochen sowohl der türkischen Geschichte wie des deutschen Humanismus warfen*), Dem deutschen Publikum ist die Persönlichkeit Busbecks besonders durch einen Aufsatz G. Hirschfelds in«Nord und Süd» 1884 und durch mein erstes Kapitel«Deutsche Forschung in Klein- asien» meines Reisewerkes«Durch Syrien und Kleinasien», Berlin 1898, S.8f., in Erinnerung gebracht worden, während die weitschweifige aber auch reichhaltige Reisebeschreibung seines Begleiters auf der ersten türkischen Reise, Hans Dernschwans, auszugsweise 1887 im«Globus» von Heinrich Kiepert und in Verbindung mit den Briefen Busbecks von dem Schreiber dieser Zeilen in dem Programm des Kgl. Gymnasiums Ludwigs- hafen am Rhein 1899(Eine Reise nach Amasia 1555) mit- geteilt wurde. Zuletzt hat darüber Professor Eugen Oberhummer in seinem Prachtwerk«Constantinopel unter Soliman dem Grossen»,(München 1903, Oldenbourg) gehandelt und seiner Einleitung zu Lorichs Plan von Constantinopel auch ein Porträt Busbecks von der Hand dieses Künstlers beigegeben. In

*) The life and letters of O. G. de Busbecg, 2 Bände. London, Kegan Paul, 1881. Vergl.auch K. Bursian, Geschichte der klassischen Philologie in Deutschland. München 1883. f. 257.