Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 2
Entstehung
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48.

ſetzen, ohne jemals Befriedigung zu gewähren. Als die durch den Buchſtabenglauben herrſchende Auctorität für das höchſte Geſetz galt, war es die Schule, von der man ſeine Einprägung verlangte, und welche die Vorwürfe dafür tragen muſſte, daß es im Leben nicht durchführbar erſchien. Als die landſtändiſchen Verfaſſungen in Deutſch⸗ land ihre Wirkſamkeit zu entfalten begannen, und Mangel an politiſcher Beredſamkeit ſich zeigte, wurde durch Staatsverordnungen den Schulen geboten, in Zukunft po⸗ litiſche Redner und parlamentariſche Magnaten in genügender Anzahl fertig zu liefern. Wie ſie die dazu erforderliche politiſche Intelligenz beſchaffen, zugleich aber auch den ſo ſtreng verpönten politiſchen Anſtoß vermeiden ſollten, dies blieb ihrem eignen Erfindungsgeiſte überlaſſen. Als der unſterbliche Liſt anfing, den Blick der Nation für ihre materiellen Intereſſen zu ſchärfen und auf ihre Förderung die Zukunft der deutſchen Nationalität zu begründen, wurde danach das Schulweſen umgeformt, gewiß mit ruhmwürdigem Eifer, aber leider ohne jenen einheitlich nationalen und politiſch kräftigen Schutz und Schirm des materiellen Betriebes, den Liſt ſelbſt als die Grund⸗ bedingung des Gelingens bezeichnet hatte, und mit Verkennung der Wahrheit, daß eine nicht bloß auf Sprache und Literatur, ſondern auch auf politiſcher Einheit und Macht beruhende Nationalität die Bürgſchaft für das Gedeihen der materiellen In⸗ tereſſen und des ihnen gewidmeten Unterrichts gewähren müſſe. Macht erſt Rhein und Donau bis in das Meer frei von allen Hemmniſſen des deutſchen Verkehrs, ſtürzt die Zollſchranken, welche ihn von Oeſterreich und den Oſtſeeländern abſperren, rettet das deutſche Schleswig, vernichtet den ſchmählichen Sundzoll, ſichert dem Deutſchen den Gebrauch der Meeresküſten von Riga bis Dünkirchen, ſchafft eine deutſche, die Auswanderung, Coloniſation und den Weltverkehr ſchützende Flotte, tretet mit kräftigen Schutzmaßregeln dem unter Trugbildern von Freihandel das deutſche Gewerbe erdrückenden engliſchen Fabrik⸗ und Mercantildeſpotismus entgegen, beweiſet die Einheit Deutſchlands durch einheitlich durchgeführte Verfaſſung und Geſetzgebung, ſchafft Ordnung und Frieden im Innern des Staates und der Kirche, machet, daß nicht der Eifer Euch freſſe, und der Zank Euch verzehre, daß nicht zu⸗ nehmende Schand⸗ und Greuelſcenen die Sehnſucht nach einem neuen Metternichſchen Zeitalter erwecken, und ich bürge Euch dafür, die materiellen und geiſtigen Rück⸗ wirkungen davon werden auch in der Schule ſichtbar hervortreten; dann, aber auch nur dann wird der öffentliche Unterricht die Wünſchelruthe werden, die den Ni⸗ belungenhort aus der Tiefe des Rheins heraushebt und durch ihn Wohlſtand und Cultur, nationale Geſinnung und Geſittung verbreitet; dann wird er allmählig von ſelbſt das Uebergelehrte und Unfruchtbare, das Mechaniſche und Pedantiſche verlieren, deſſen Ihr ihn öfters und vielleicht nicht immer mit Unrecht anklagt, dann wird er frei in dem ächt nationalen Elemente ſich entfalten, deſſen Bildungsproceß von ſelbſt ſchon den trüben Unrath fauliger Gährung auszuſtoßen, das geiſtige Reſiduum abzuklären vermag. Die Frage, wie das Lernen für die Vergeſſenheit beſeitigt, die Nachhaltigkeit des erziehenden Unterrichts bewirkt und für die geſammte Lebenszeit nutzbar gemacht werden könne, dieſe Frage, welche den vor Anarchie geſicherten