Aufsatz 
Zur Gymnasialreform. H. 2
Entstehung
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nenen Lehrſtunden ſollen der Geſchichte u. ſ. w. gewidmet, die Lehrſtunden der ober⸗ ſten Claſſe aber überhaupt gegen die übrigen Claſſen um Etwas verringert werden, welches letztere auch anderwärts als dringend nothwendig erkannt wird. Es kann mir nur erfreulich ſein, zu bemerken, daß dies Alles, was eine intelligente Ver⸗ ſammlung von Sachkennern dort beſchloſſen hat, bei uns ſchon wirklich beſteht. Eine lateiniſche Arbeit bildet zwar fortwährend einen Beſtandtheil unſerer Maturi⸗ tätsprüfung, aber niemals iſt eine gewiſſe Beſchaffenheit derſelben für unumgäng⸗ lich nothwendig zur Reiferklärung gehalten, oder als conditio sine qua non angeſehen worden. Indem wir gern die von der griechiſchen Sprache dispenſirten Schüler auch des Lateinſchreibens in den oberen Claſſen entledigen würden, ſobald nur die Möglichkeit vorhanden wäre, in Mathematik, Chemie u. ſ. w. ihnen einen angemeſſenen Erſatz dafür zu gewähren, ſind wir doch auch von der völligen Ab⸗ ſchaffung des Lateinſchreibens fern geblieben, wohl wiſſend, daß mit ihr das leichte Verſtändniß nicht bloß der römiſchen, ſondern auch der griechiſchen Literatur, für welche ſeit Jahrhunderten lateiniſche Ueberſetzungen, Commentarien und Abhand⸗ lungen zur Vermittelung dienen, vernichtet und ſomit auch denen, die der Totalität des Altclaſſiſchen treu bleiben, das Heimiſchwerden in demſelben und der eigne freie Anbau meiſt unmöglich gemacht werden würde. Was damit verloren gehen müſſte, braucht man dem Sachkenner nicht nachzuweiſen, aber lebhaft empfinde ich es eben jetzt, indem ich das edle Denkmal anſchaue, welches dem verſtorbenen Jacobs ſein Freund Wüſtemann*) errichtet hat, bei dem Gedanken, daß dergleichen zu ſchaffen und zu würdigen, in Zukunft weder Veranlaſſung noch Kunſt noch Verſtändniß ſein würde. Wer eine ſolche Rede mühelos verſtanden hat, der kann nicht kalt und zähe ſich abgeſchloſſen haben gegen das, was auch in lateiniſcher Sprache vom Herzen kommt und zum Herzen dringt, den muß nächſt der Bewunderung des mit Recht geprieſenen abgeſchiedenen Heros der Literatur und Humanität der Zauber jener claſſiſchen Romantik und feinen Naivetät erfüllt haben, welcher noch immer das la⸗ teiniſche Wort des Lebens durchzieht, wenn es von einem Erneſti, Ruhnkenius, Wyt⸗ tenbach, Eichſtädt und Wüſtemann geſprochen wird. Auch das iſt unmöglich in griechiſcher Sprache, und wenn es völlig vernichtet wird, ſo iſt es wie bei der Nachricht von Jacobs Tode der nun gleichfalls heimgegangene Gottfried Hermann ſagte:als ob ein hellleuchtender Stern am Himmel erloſchen wäre, und man nur noch die dunkle Stelle erblickte, die man nicht ohne Sehnſucht nach dem Lichte an⸗ ſehen kann.

Wollte man ernſtlich an eine weſentliche Aenderung in Grundlage und Folge des Sprachunterrichts denken, ſo würde kein Vorſchlag mehr Beachtung verdienen,

*) Friderici Jacobsii laudatio scripsit E. F. Wueslemann. Gothae 1849. Kaum war dieſe Schrift in unſerm Kreiſe bekannt geworden, als ſie dem ehrwürdigen Jacobs auch unter unſern Schülern einen begeiſterten Lobredner erweckte, wie früher das Andenken an Dö⸗ ring von Rudolf Stockhauſen, an K. O. Müller von Friedrich Pfaff, letzteres mit dankbarer Anerkennung von Hugo, bei uns öffentlich gefeiert worden iſt.