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raſch fortſchreitende und größere Ganze umfaſſende Lectüre gefordert wird. Bei Pin⸗ dar iſt man auf wenige Proben, bei Ariſtophanes auf die Wolken beſchränkt. Bei Thucydides iſt etwas freierer Spielraum, aber über das kleine Maß des Ueblichen hinaus nicht ohne große Bedenken. Aehnlich verhält es ſich mit Platon; die vol⸗ lendetſten Werke ſeines Genius, wie die Republik, liegen der gelehrten Schule ſo fern, wie Heinſe's Ardinghello, die dialogiſirten Plattheiten aber, die unter Platons Namen ihr im Kriton, Laches u. ſ. w. geboten werden, ſind wahrlich nicht geeignet, Ehrfurcht vor ſeiner geiſtigen Größe zu begründen. Hätte überhaupt die Sokra⸗ tiſche Schule viel Brauchbares aufzuweiſen, ſo würde Jacobs ſehr Unrecht daran ge⸗ than haben, zu den Barbaren, Obſcuranten und Proletariern der griechiſchen Philoſophie, zu Juncus, Muſonius und Teles ſeine Zuflucht zu nehmen, deren rhe⸗ toriſirende Phraſen über Jugend und Alter, Reichthum und Armuth ſo weit wie Fortunatus Wünſchhütlein und die ſchöne Magellone hinter den Ideen unſerer Zeit zurückſtehen. In Vergleich zu den weiten Sandſtrecken auf dieſem Gebiete ſind ſelbſt die moraliſchen Abhandlungen des verachteten Plutarch wahre Oaſen üppiger Fruchtbarkeit, und was er vorträgt über die Menge der Freunde, über Geſchwätzig⸗ keit u. ſ. w., wird immer anziehend und lehrreich bleiben. Aber die eigentliche Schärfe und Tiefe der philoſophiſchen Speculation, in der Form einer populären Sprache ausgeprägt, könnte nur etwa aus dem troſtloſen Skepticismus des Sertus Empiricus zur Anſchauung gebracht werden. Es wird alſo auch hier bei dem Her⸗ kommen verbleiben müſſen, welches eine umfaſſende Kenntniß der griechiſchen Philo⸗ ſophie aus der Lectüre zu ſchöpfen, nur etwa unter Zugrundlegung der von Ge⸗ dike geſammelten Ciceroniſchen Stellen geſtattet. Von Demoſthenes werden einige der kleineren Staatsreden geleſen; politiſcher Scharfſinn und ethiſche Würde durch⸗ dringen zwar ſelbſt ſeine geringfügigſten Einzelbeziehungen, aber die materielle Klein⸗ lichkeit der letzteren, ihr ſchwieriges Sachverſtändniß und ihre noch ſchwerer zu über⸗ ſchauende Gruppirung bei großer Einförmigkeit des geſammten Inhalts ſchaden allzuſehr dem bildenden Eindruck ſeiner Kunſt bei dem heutigen, dem Detail der damaligen Verwickelungen fern ſtehenden Leſer, als daß man darauf rechnen könnte, in ihm noch eine Fundgrube neuer Bildungsmuſter zu entdecken, obwohl das politiſche Leben und Treiben der Alten auch in den gelehrten Schulen, durch die Gegenwart näher gerückt, uns in Zukunft verſtändlicher tönen, lehrreicher ſich entfalten wird. Iſt dabei ein pädagogiſcher Aberglaube im Spiele, ſo kann er nur darin liegen, daß der weltdurchdringende Ruhm der griechiſchen Genialität zu dem Irrthum ver⸗ leitet, deren Heroen durchgehends auch für die geeignetſten Bilder der Jugend zu halten, oder daß, wo die Früchte der Lectüre vermiſſt werden, die Schuld niemals in den Autoren, ſondern in einer bei Einzelnheiten verweilenden und ſtatt derſelben nicht gleich den Geiſt des Ganzen ergreifenden Behandlung geſucht wird, als ob ſchon die Kunſt erfunden wäre, den deſtillirten Geiſt ſo oben abzuſchöpfen und als ätheriſche Nahrung einzuflößen, oder als ob jemals abſtracte Faſſung von Ideen, Kritiken, Ueberſichten, Sentenzen, Reſultaten und ſonſtigen geiſtigen Concentrationen


