Einiges über die Bedeutung der Inſeeten im Haus⸗ halte der Natur.
„Ins Innere der Natur dringt 7 1— kein erſchaffner Geiſt.“ Haller. Es iſt unmöglich, den Plan, wonach in dem großen Haushalte der Natur Alles, auch das Kleinſte auf das Vortrefflichſte geordnet und geregelt iſt, in allen ſeinen Theilen vollſtändig zu begreifen und in ſeinen unermeßlichen Gliederungen klar zu überſchauen; auch ſelbſt der weitgehendſte Blick des geübteſten Forſchers kann nur einzelne Punkte desſelben ins Auge faſſen, dieſe einer eingehenderen Betrachtung unterziehen und von hier aus weitergehende Schlüſſe auf den Zuſammenhang der einzelnen Theile und auf das Ganze machen. Was aber auch Gegenſtand und Reſultat ſeiner Forſchung ſein mag, das Eine wird ihm als unumſtößliche Gewißheit und als wohlbegründete Folgerung immer klarer ins Bewußtſein treten, daß jedes einzelne Glied, ſo überflüſſig und bedeutungslos es auf den erſten Blick auch ſcheinen mag, von hoher Bedeutung in dem Getriebe des Ganzen iſt und nicht fehlen darf, wenn dies nicht ſofortſtörend auf den Geſammtplan einwirken ſoll. So hat jede Art der Weſen nicht bloß ihre berechtigte Stelle im Naturhaushalte, es iſt ihr vielmehr eine ganz be⸗ ſtimmte Aufgabe zur Erhaktung und zum Beſten des Ganzen ertheilt worden, und ſie iſt ſo nothwendig wie der einzelne Ring in der Kette. Keine Thier⸗ oder Pflanzenfamilie, noch viel weniger eine größere Gruppe, eine Ordnung oder gar eine Claſſe könnte daher ohne Störung des Ganzen fehlen.
In den Augen vieler Menſchen, denen jede tiefere Naturkenntniß abgeht, ſind die Inſecten— Bienen und Seidenraupen etwa ausgenommen-— nur läſtiges Ungeziefer, das ſie ſofort total vernichten würden, wenn es in ihrer Machtvollkommenheit läge. Sie wiſſen und ahnen Nichts von dem ſo tief eingreifenden Einfluß der Inſecten auf die mannichfachſten Verhältniſſe im Naturhaushalte und kennen nicht den hohen Genuß des Forſchers, deſſen Aufgabe eine höhere und edlere iſt, als nur den unmittelbaren Nutzen oder Schaden der Thiere für den Menſchen aufzuſuchen, der ſich jede auch die ſcheinbar unbedeutendſte That⸗ ſache merkt, dann Thatſache zu Thatſache ſtellt und ſo ſeine Folgerungen immer weiter und weiter baut, um einen weitgehenden Blick über das Ganze zu gewinnen. 1
Die Claſſe der Inſecten bildet in ihrer Organiſation, in ihrer Lebens⸗ und Entwicklungsgeſchichte, ihrem Aufenthalte, ihrem Reichthum an Arten und Individuen ſo viel des Intereſſanten wie keine andere, iſt ſogar eine der wichtigſten Thierclaſſen überhaupt.„Mit dem erſten warmen Sonnenſtrahl beginnt auch der Frühling für das Leben der Kerfe, die er aus ihrem tiefen Schlummer weckt. Ueberall regt ſich's, lebt und webt, beißt und ſaugt, nagt und ſchabt, frißt und bohrt, ſummt und brummt, zirpt und ſchwirrt, ſchwärmt und tanzt, hüpft und kriecht, fliegt und flattert, läuft und gräbt, wimmelt und wandert, fammelt und verzehrt, baut und zerſtört ec. auf grüner Wieſe und dürrer Haide, im Feuchten und Trock⸗ nen, in Waſſer und Erde, in Luft, Licht und Dunkel, Schatten und Sonnenſchein, an Aehre und Halm, Binſe und Rohr, in Mark, Rinde und Holz, friſchem und faulem, in Aas und Dünger, Fleiſch und Mehl, in Fett und Wachs, auf und in lebenden Thieren, in Tuch und Pelz, in Haaren und Federn, in Ge⸗ treidekörnern und Hülſenfrüchten, Kern⸗ und Steinobſt ꝛc.“—*)„Da iſt“— ſagt Roßmäßler—
*) Schenckel, Schmetterlingsſammler. 4 1


