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werden, eifersüchtig auf die neue Herrschaft, welche ihm nach Erlöschung des ihm nahverwandten Königsstammes rechtmässig zugefallen war, und er will erproben, ob seine Gebote gehalten werden, da er Argwohn hegt, es mögten sich welche gegen dieselben sträuben und sie etwa insgeheim vereiteln. In dieser Stim- mung reizt ihn die Meldung von der Verhöhnung seines Gebots zu argem Zorn. So geht denn alle tragische Wirkung von der Unlösbarkeit eines Con- flicts aus, welcher auf keiner Seite etwas Unwürdiges zeigt, und derselbe erfüllt seine tragische Wirkung durchaus an Menschen, welche von guter Art unsers Mitleids ganz würdig sind, so dass keine verbrechenlosere Tragödie gedacht werden kann. Aber schuldlos ist weder Antigone noch ist es Kreon, denn beide sind hartnäckig und beharren mit rücksichtsloser Unbeugsamkeit auf ihrem Sinne, indem jedes Recht zu haben glaubt, und an und für sich betrachtet, auch Recht hat. So zeigt das harte Geschick, welches beide trifft, dass das Leben der Menschen kein rücksichtsloses Thun ohne Gefahr verstattet, und dass Leidenschaften, selbst edele, wenn sie nicht auf das Maas zurück- geführt werden, welches das Leben erheischt, zum Furchtbarsten führen können. Dadurch ist die Wirkung dieser Tragödie eben so edel als reinmenschlich, und um so rührender als die Schuld der Handelnden nicht eine verbrecherische ist, sondern beide natürlichen Antrieben des menschlichen Herzens folgen, ohne deren verderbliches Uebermaas zu gewahren. Der Rückblick aber auf die Geschicke des Geschlechts, in welchem Unheil fortwährend Unheil erzeugte, erhöht in bedeutendem Grade das Mitgefühl mit dem Geschick Antigone's, in welcher noch der letzte edel verklärte Nachhall von dem heftigen Geiste des heldenhaften Geschlechts büsst, so dass, nachdem Alles, was von diesem Stamme Stolz und Thatkraft im Herzen trug, unerbittlich gefallen und andere mit in den Sturz gerissen, nur eine sanfte unglüchliche Jungfrau, Ismene, in einsamer Verödung dasteht als beklagenswerther Rest eines hohen Königsgeschlechts. Die Exposition zeigt den Charakter der Antigone und was denselben zu dem verhängnissvollen Schritt anreizt klar, lässt die furchtbare Verwickelung voraussehen und den endlichen Ausgang mit tragischer Spannung von weitem in das Auge fassen. Antigone redet zu ihrer sanften Schwester Ismene, welche als edeles aber stilleres, den Kreis des weiblichen Thuns zu überschreiten unfähiges Wesen, ihr der Jungfrau, welche in begeistertem Seelenschwung und leidenschaftlicher Aufregung der Thatkraft fähig ist, zur trefflichsten Folie dient, von der, zu den vielen herben Geschicken, welche sie bereits getroffen, neu hinzugekommenen Schmach, dass der Bruder unbeweint und


