Aufsatz 
Die städtische Handelslehranstalt 1903-1913
Entstehung
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Die städtische Handelslehranstalt 1903 1913.

Die städtische Handelslehranstalt blickt Ostern 1913 auf den Abschluss ihres ersten Jahrzehnts zurück, und es ist ein eigentümliches Zusammentreffen, dass sie mit Ablauf dieses Zeitraums aufhören wird, in ihrer bisherigen Gestalt zu bestehen. Denn nach dem Beschluss des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, der die Genehmigung der Nöniglichen Behörden erhalten hat, wird mit dem neuen Schuljahr die städtische Handels- lehranstalt in zwei vollkommen selbständige Schulen getrennt werden, deren eine die höhere Handelsschule und die Handelsrealschule umfassen wird, während die andere sich aus der Mädchenhandelsschule, der Handelsfachschule mit den dieser angegliederten fach- wissenschaftlichen Abendkursen und den französischen Vorbereitungskursen für Bürger- schüler zusammensetzen wird.

Doppelt will es sich daher geziemen, an diesem bedeutungsvollen Erinnerungstage und Wendepunkte einen Rückblick zu werfen auf die Entwicklung der städtischen Handels- lehranstalt in diesem Jahrzehnt ihres Bestehens. Es soll hier nicht eingegangen werden auf die Vorgeschichte ihrer Gründung; soweit diese die Oeffentlichkcit interessiert, hat der erste Leiter der Anstalt, Direktor Dr. Ludwig Voigt, in deren erstem jahresberichte darüber die nötigen Mitteilungen gemacht. Es sei hier nur daran erinnert, dass die Ver- handlungen über die Gründung einer städtischen Handelslchranstalt bald nach 1890 be- gannen, und es ist interessant, aus den Akten der Anstalt zu ersehen, dass wiederholt auch aus den Kreisen der Bürgerschaft Anregungen in diesem Sinne an den Magistrat gelangt sind, wie anderseits die Handelskammer diesem Plan von Anfang an das lebhafteste Interesse entgegengebracht und dies auch weiterhin durch tatkräftige Unterstützung des Unternehmens bewiesen hat.

Es war ein grosszügiger Plan, der am 22. April 1903 die städtische Handelslehr- anstalt ins Leben rief. Die Stadt Frankfurt wollte hier eine Schule schaffen, die alle Zweige des kaufmännischen Bildungswesens umfassen und in einheitlicher Weise ge- stalten sollte. Demgemäss musste man den Bedürfnissen kaufmännischer Fachausbildung für das männliche wie für das weibliche Geschlecht gerecht werden. Für jenes schuf man zwei vorbereitende Schulen: die mittlere Handelsschule, aus der sich dann die Handelsrealschule entwickelte, und die höhere Handelsschule, daneben eine Handelsfachschule für Kaufmannslehrlinge, der sich noch eine besondere Ab- teilung für Drogistenlehrlinge angliederte. Für das weibliche Geschlecht wurde zunächst eine einjährige vorbereitende undeinedreijährige Fachabteilung für weibliche Lehrlinge ecingerichtet; an Stelle dieser letzteren trat dann, da sie den Bedürfnissen nicht entsprach, eine weitere vorbereitende Schule mit zwei- jährigem Kurs. Aber selbst mit dieser weiteren Gliederung erschienen die Aufgaben der Handelslehranstalt noch nicht erschöpft. Man wollte auch schulentwachsenen jungen Leuten beiderlei Geschlechts die Möglichkeit geben, ihre Bildung nach der kaufmännischen wie nach der sprachlichen Seite zu vervollkommnen. Zu diesem Zwecke schuf man die fachwissenschaftlichen Abendkurse. Um endlich auch aus dem Kreise der Bürgerschulen einen Nachwuchs für die mittlere Handelsschule(Handelsrealschule) zu schaffen, rief man die französischen Vorbereitungskurse für Bürgerschüler ins Leben. Standen diese beiden zuletzt erwähnten Abteilungen auch in einem lockereren Zu- sammenhang mit der städtischen Handelslehranstalt, so ergänzten sie diese doch nach zwei Richtungen vorbereitend und fortsetzend.