die Wirkung allegoriſcher Figuren ſich einmal klar zu machen; die auf Abb. 5 abgebildete Darſtellung perſifliert nicht übel die Allegorienſprache der bildenden Kunſt.
Von Leſſing aus rückwärts gehend in der kunſtgeſchichtlichen Betrachtung könnten wir zunächſt an den Bildern des berühmten Rubensſchen Cyklus von dem Leben der Maria Medici verfolgen, wie die Darſtellung einfacher geſchicht— licher Vorgänge durch das Hereinziehen allegoriſcher Elemente eine höhere Weihe erhalten ſoll, in Wirklichkeit aber nur für einen Betrachter Reiz gewinnen kann und verſtändlich wird, der aus der Poeſie und der Proſa des 17. Jahrhunderts
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Abb. 10. A genio lumen.
die Fülle ſinnbildlicher Beziehungen kennen gelernt hat, mit denen Rubens bei ſeinen Kompoſitionen rechnet(Abb. 6.
In ſtrengerer Gebundenheit der Form erſcheint die Allegorie ſchon in den Anfängen der Renaiſſancekunſt, ja ſchon bei Giotto z. B. in großem Umfange; es iſt die Gelehrſamkeit und die poetiſche Gedankenfülle des Kreiſes von Aſſiſi, die bei Giotto in ſtark lehrhaft einſeitigen Kunſtdarſtellungen zum Ausdruck kommt; wir finden der anfänglichen Ratloſigkeit des Beſchauers öfters, z. B. auf dem Bilde der Keuſchheit(Abb. 7) durch Beiſchriften nachgeholfen.
Wo der Künſtler auf ſolche Inſchriften verzichtet, da iſt das Verſtehen ſeines allegoriſchen Werkes oft eine mühſame und unerquickliche Arbeitsleiſtung: Tizians ſogenannte Allegorie des Davolos(Abb. 8) wird ſelbſt dem gelehrten Betrachter erſt auf Grund recht mühſamer Überlegung verſtändlich ſein; ebenſo


