1=
Die bildende Kunſt kann ſelbſtverſtändlich die Allegorie nicht ganz ent⸗ behren— jede Viktoria unſerer Kriegerdenkmäler kann uns das vor Augen führen!—, auch Leſſing hat nur die Ausartung in ihrem Gebrauch bekämpft und freilich damit, wie überhaupt nach der Seite der bildenden Kunſt, weniger Wirkung ausgeübt, wie mit ſeinen Darlegungen über die Dichtkunſt.
Denn wir dürfen gleich an dieſer Stelle vorgreifend erwähnen, daß Leſſings und ſeiner Geſinnungsgenoſſen Bemühung die Allegoriſterei in der bildenden
Abb. 6. Der Friedensſchluß. Skizze zu dem Gemälde der Medicigallerie im Louvre, in der königl. Pinakothek zu München.
(Nach einer Originalphotographie von Franz Hanfſtängl in München.)
Kunſt wohl eingeſchränkt, aber keineswegs völlig ausgerottet hat; wir bringen als Beleg die allegoriſche Darſtellung(Abb. 2), mit der Chodowiecki im Göttin⸗ ger Taſchenkalender von 1792 den Tod Friedrichs des Großen verewigt hat; doch blieb man in der Berliner Kunſt des ausgehenden 18. Jahrhunderts bei ſo be⸗ ſcheidener Verwendung der Allegorie, wie ſie hier vorliegt, nicht ſtehen: K. W. Ramler, auch auf anderem Gebiet Leſſing gegenüber zum Ballhorn geworden, gab 1793 ein umfangreiches Buch heraus unter dem Titel:„Allegoriſche Per⸗


