Aufsatz 
Die Sprache des Tacitus / von E. Wolff
Entstehung
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memorabimus den Potentialis memoraverim vorgeſchlagen, wogegen vom paläographiſchen Stand⸗ punkte aus nicht viel einzuwenden wäre? Doch, wie geſagt, wir ſind nicht befugt, gewiſſe Formen, weil ſie z. B. in den Annalen ſelten ſind, nach unſerm Gutdünken zurecht zu ſtutzen. Wollte Jemand in ähnlicher Weiſe den Text des Cäſar behandeln, ſo würde er den Singular demonstravi, welcher ſich einzig bell. civ. 3,15(in quibus demonstravi angustiis) findet, für verdächtig erklären müſſen, in Anbetracht der Dutzende von demonstravimus, welche der Autor zum Hinweis auf Erzähltes gebraucht. Der Singular iſt wohl aus Rückſicht auf die Euphonie vorgezogen worden, wegen des vorhergehenden und des folgenden Wortes.

Auf dem Gebiet der Formenlehre konnte es Wölfflin nicht ſchwer fallen, nachzuweiſen, daß von vielen Doppelformen die bei den älteren Annaliſten übliche, theilweiſe poetiſche Bildung vorwiegend oder faſt ausſchließlich den Annalen des Tacitus angehört, weil der kräftige Stil der annaliſtiſchen Quellen gerade die Sprache dieſes Werkes am meiſten beeinflußte. Wenn es ſich indeſſen um das ſeltene Vorkommen oder Fehlen gewiſſer Wortformen in den kleineren Schriften handelt, ſo darf der äußere Umfang derſelben nicht unberückſichtigt bleiben(dial: Agr: Germ: hist: ann= 5:4:3:30: 52, alſo die erſteren 3 zuſammen zu den beiden Hauptwerken= 12:82, ſ. Macke, S. 12.), ferner muß unterſucht werden, ob wir es wirklich mit bloßen Doppelformen zu thun haben oder mit ſinnverwandten Wörten, von welchen das eine oder andere zufällig nur in den kleinen Schriften auftritt.

Wenn Wölfflin über die Subſtantiva auf tas und tudo ſagt, daß die letztere Formdie vorzugsweiſe plautiniſche, in der ciceronianiſchen Latinität für viele Wörter bereits abgedankte ſei, ſo iſt dies nicht ganz richtig. Zwar hat die Komödie des Plautus ſowie, nach den Citaten zu urtheilen, die Tragödie des Pacuv und Accius etwa ein Dutzend von Subſtantiven auf tudo eigen, welche ſich ſonſt nicht finden, dagegen gehören etwa doppelt ſo viele faſt ausſchließlich der Proſa an, von Porcius Cato an weit über Plinius hinaus, und Cicero tritt auch hier als Wort⸗ bildner und Erneuerer auf mit beatitudo, concinnitudo, lentitudo u. a. m. Es kann mithin nicht von einer Abneigung des proſaiſchen Stils gegen die voller tönende Form die Rede ſein, wenn gleich Livius und Cäſar dieſelbe ſelten gebrauchen. Meiſtens beſteht bei gleichem Stamm kein Unterſchied der Bedeutung, als daß eben eine gewiſſe Gravität den Bildungen auf tudo zukommt. Vgl. Gellius, n. a. 17,2: nescio quid majoris dignitatis est verbum sanctitudo; sicuti M. Cato in L. Veturium duritudinem quam quriciam dicere gravius putabat. Für necessitas und necessitudo beſtreitet Gellius an einer andern Stelle(13,3) jeden Bedeutungsunterſchied, wobei er ſich auf Cicero und Cäſar beruft, welche vereinzelt necessitas für verwandtſchaftliche oder freund⸗ ſchaftliche Verbindung gebrauchen(Cic. Sull. 2. Rosc. Am. 24. Cæs. bei Gell. 13,3 und bell. civ. 1,8 necessitatibus, wohl um ein necessitudinibus zu vermeiden); häufiger iſt die Mehrzahl necessitates= Bedürfniſſe; endlich wird von Cicero necessitudo ſo ausdrücklich zur Bezeichnung des äußeren Zwanges neben necessitas angewandt(de inv. 2,21. 61. 98,99. 2,41, 170. 171 ff.), daß W.'s Behauptung, Tacitus brauche necessitudo in den Annalen ſonach dem Vorgange des Sal⸗ luſt(Cat. 58), nicht ganz zutreffend erſcheint. Indem W. uns nun zu demonſtriren ſucht, daß die Endung tas ausſchließlich den früheren Schriften des Tac. angehöre, zieht er den Dialog mit zur Beweisführung heran, der ſonſt ausgeſchloſſen wird.In den früheren Schr. nur firmitas: