Aufsatz 
Die Sprache des Tacitus / von E. Wolff
Entstehung
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Die Sprache des Tacitus.

Von Dr. Eduard Wolff.

Unter den römiſchen Hiſtorikern nimmt Cornelius Tacitus eine gewiſſe Sonderſtellung ein, wie durch das ethiſche Intereſſe, welches ſeine Darſtellung weckt, ſo durch die intereſſante Form der letzteren. Doch kann ein richtiges Urtheil über ſeine Sprache im großen Ganzen wie im Einzelnen nur durch ausgiebige Vergleichung mit derjenigeu von Vorgängern und Nachfolgern bezw. Nachahmern gewonnen werden. Der taciteiſche Sprachgebrauch muß als ein nothwendiges Glied in der Entwicklung der hiſtoriſchen Kunſtſprache begriffen und bewieſen werden. Gewiſſe Elemente der traditionellen Stiliſtik verwiſcht ſelbſt die ſtärkſte Individualität nicht.

Es iſt viel über den Stil des Tacitus geſchrieben worden; zu den wichtigſten Unter⸗ ſuchungen gehören jedoch ohne Zweifel die von E. Wölfflin, welche vor einem Decennium er⸗ ſchienen und welche keine der bisherigen Arbeiten unbeachtet gelaſſen hat ¹). W. ſucht nachzu⸗ weiſen,daß in dem Stile des Tacitus nicht nur das Individuelle von dem der Zeit Ange⸗ hörigen zu ſcheiden iſt, ſondern daß das erſtere Element in den früheren Schriften noch weniger zur Geltung gelangt, ſich im weiteren Verlauf des Schreibens ſtärkt, und daß ſchließlich Tacitus in den Annalen, wir wollen nicht ſagen am beſten ſchreibt, aber eben erſt recht der wahre Tacitus iſt.(Phil. 25. p. 96.)

¹) Philologus Bd. 25, 26, 27. Die übrige mir zu Gebote ſtehende Literatur ſei hier gleich mit erwähnt, damit nicht der Text auf jeder Seite mit Citaten garnirt zu werden braucht. W. Pfitzner, die Annalen des Tac. krit. beleuchtet. Halle 1869. C. Sirker, Taciteiſche Formenlehre. Coblenz 1870. Weidemann, die Quellen der zerſten 6 Bücher von Tac. Ann. Cleve 1869 u. 73. A. Gerber, nonnulla de usu praepos. ap. Tac. Glückſtadt 1871. Ders. de conj. temp. etc. usu Taciteo. 1874. H. Maué, de praep.ad usu Taciteo. Frankfurt 1870. Vorm Walde, de Sallustii genere dicendi. Düſſeldorf 1873. A. Hoppe, über die Spr. des Philoſ. Seneca. Lauban 1873. R. Macke, die Subſtantiva des Tacitus. Plön 1874. Joh. Müller, Beitr. zur Kritik ꝛc. des Corn. Tac. Inns⸗ bruck 1873. Lorenz, Beobachtungen über den Dativ der Beſtimmung ꝛc. Meldorf 1871 u. 1874. Günther, die Formen der Hypotheſis aus Liv. ꝛc. Bromberg 1871. K. Witt, über den Gebr. des Gerundiums ꝛc. Gumbinnen 1875. Andresen, de vocabulorum apud Tac. collocatione. Berlin 1874. Gantrelle, grammaire et style de Tacite. Paris 1874. Ders. nouvelle gramm. de la langue lat. 1875; contributions à la crit. etc. de Tacite. 1875. Dräger, über Syntax und Stil des Tac. 2. Aufl. Leipzig 1874. Derſ Ausg. der Ann. und des Agr. Ausgaben des Tac. v. Haaſe, Halm, Ritter, Nipperdey, Heräus u. a. A. Köhler, de auct. belli Afric. etc. latinitate. Erlangen 1877. Ausgaben

des Salluſt. von Kritz, Gerlach u. a. 1