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was ich als„poetiſche Aſyndeta“ zu bezeichnen pflege, die fehlenden Conjunctionen und Ueber⸗ gänge nicht gefunden werden“(Döderlein, Horazens Epiſteln, Lateiniſch und deutſch. S. 143) und damit auch nicht der einheitliche Zuſammenhang des Ganzen.
Horaz beginnt nun ſeinen Brief damit daß er gerade die Einfachheit und Einheit als we⸗ ſentliches Merkmal eines jeden Kunſtwerks hinſtellt und ganz beſonders bei Dichtungen von ihrem Vorhandenſein deren künſtleriſche Bedeutung abhängig macht. Iſt es daher denkbar daß Horaz in eben dem Gedichte ſelbſt dieſen größten Verſtoß gegen das Weſen eines Kunſtwerks be⸗ gangen habe, deſſen Tadel er zum Ausgangspunkt dieſes Gedichtes macht? Entweder muß dieſer Widerſpruch zugegeben, oder aber der Verſuch jene Einheit im Bau des Gedichtes nachzuweiſen immer wieder erneut werden, bis endlich eine Hypotheſe durch das Licht welches ſie auf das Ganze wirft, ſich als mehr denn eine Hypotheſe erweiſt. In jedem Falle wird ſie jenen Keim⸗ punkt, jene äußere Veranlaſſung, nachzuweiſen haben, von welchem der Aufbau des dichteriſchen Ganzen ſeine Entſtehung abzuleiten hat. Mit dieſem Keimpunkt braucht der Ausgangspunkt der organiſch ausgebauten Kunſtſchöpfung keineswegs zuſammenzufallen. Vielmehr wählt ſich dieſen der Künſtler wie er ihm für die von ihm concipirte Entwicklung ſeines Werkes und das durch dieſes erſtrebte Ziel am geeignetſten erſcheint.
Meine Annahme in Betreff jenes Keimpunktes iſt nun dieſe. Der ältere der beiden Söhne des Piſo, ein Jüngling von ſiebzehn bis höchſtens zwanzig Jahren, da Piſo ſelbſt 49 v. Chr. geboren, Horaz aber 8 v. Chr. geſtorben iſt, wobei zugleich die Abfaſſung der Epiſtel im letzten oder vorletzten Lebensjahr des Dichters bedingt iſt, beſchäftigte ſich mit dramatiſcher Poeſie, während er auf die lyriſche etwas geringſchätzig herabſah. Mit ſeinen Schöpfungen ſehr zufrieden, wünſchte er ſehnlichſt ſie der Oeffentlichkeit, womöglich der Bühne ſelbſt, zu übergeben. Dieſen Beſtrebungen tritt Horaz entgegen, indem er dem jüngern Freunde das Weſen des Kunſtwerks vorhält, die ſich daraus für die Poeſie im Allgemeinen ergebenden Folgerungen zeigt, die beſon⸗ deren Schwierigkeiten der dramatiſchen Poeſie darlegt, im Gegenſatz zu dieſer die Bedeutung der lyriſchen Poeſie ins rechte Licht ſetzt, vor Allem ihn aber warnt in die Oeffentlichkeit zu treten, am wenigſten jedoch bevor er den Rath mehrerer Freunde gehört habe, der allein einen jungen Dichter vor dem Verderben retten könnte, welches aus Selbſtüberſchätzung und Geringachtung des Studiums, aus verkehrtem Vertrauen auf angebornes Genie entſtehe.
Dieſe Warnung, welche ſich in dem einſchneidenden Satz gipfelt daß zwar auf andern Gebieten auch die Mittelmäßigkeit noch als etwas Achtungswerthes gelten könne, auf dem Gebiet der Dichtung aber etwas durchaus Verwerfliches ſei, einem jungen von ſich eingenommenen, von Schmeichlern umgebnen, reichen, vornehmen Mann ſo beizubringen daß ſie möglichſt wenig verletzte und eben dadurch wirkte, während ein verletzendes Zurückſtoßen nur das Gegentheil der beabſich⸗ tigten Wirkung hervorgebracht hätte, war gewiß keine kleine Aufgabe, und eben deshalb iſt dieſer Geſichtspunkt, die Vorſicht in der Warnung und Abrathung bei klarſter Darlegung der Ueber⸗ zeugung des redlichen Mannes und Freundes, der maßgebende für die Geſtaltung des aus dem Keimpunkt ſich entwickelnden Aufbaues des Gedichtes.
Horaz geht, und dies wiederholt ſich möglichſt bei den einzelnen Theilen, von ganz allge⸗ meinen Grundſätzen aus und begründet ſie, um ſich ſogleich eine vollſtändige Anerkennung der⸗


