Gewöhnung an die fremdartigen Lautgruppen, als wenn diese in orthographischer Fassung erscheinen und somit die im Anfang durchaus zu erzielende Sicherheit und Genauigkeit in der Aus- sprache hemmen.
Von vielen Seiten wird immer noch die nachteilige Beein- flussung der Schrift befürchtet. Selbst wenn eine solche vorläge, wäre die Arbeit, falsche Schriftbilder zu beseitigen, wesentlich ge- ringer, als eine zur festen Gewohnheit gelangte fehlerhafte Aus- sprache zu bessern. Man mache mit Schülern, deren Aussprache und Orthographie zu wünschen übrig läßtt, den Versuch, Fortschritte nach beiden Seiten hin zu erzielen, und man wird meist finden, daß letzteres wesentlich leichter als ersteres ist. Voraussetzung für einen gründlichen Aussprache-Unterricht bleibt natürlich auch bei Benützung der Lautschrift stets ein gewissenhaft genaues, sorg- fältiges Vorsprechen durch den Lehrer; aber ob diese flüchtigen Gehöreindrücke durch entsprechende Lautzeichen oder durch die irreführende Orthographie festgehalten werden, darin liegt für die Dauer der Aneignung zumindest bei sehr vielen Schülern, deren Lautaufnahme durchs Gehör mangelhaft erfolgt, ein großer Unter- schied. Es ist sehr zeitraubend, in der ersten Zeit ganz ohne Buch zu unterrichten und nur mündlich zu arbeiten; dies zeigt sich besonders bei den letztgenannten Schülern, die durchaus nicht immer zu den schwächsten gehören, die aber gewöhnt sind, das Gehörte auch geschrieben zu sehen. Versucht man nun, Laut und Schrift gleich in Verbindung zu setzen, dadurch daß mit geöffnetem Buche gearbeitet wird, so ist auch hier noch der Schüler viel- fachen Irrungen ausgesetzt, und die Verbesserungen haben recht häufig zu erfolgen; giebt man dagegen den Schülern, die mit der Lauttafel genau Bescheid wissen, Lauttexte, die sich aus den be- kannten Zeichen zusammensetzen, so liest sie auch der schwächste Schüler nach geringer Übung mit Leichtigkeit und ist dann wirk- lich im stande, das Stück auch zu Hause sorgfältig durchzuüben. Zumal in der ersten Zeit müßte der Schüler das in der Schule Durchgenommene zu Hause möglichst viel lesen und üben, gerade wie er dies beim Musikunterricht unausgesetzt zu thun gewöhnt ist; die Fortschritte würden dann weit größere als bisher sein.
Verschiedene Versuche, die ich in Gegenwart auswärtiger Besucher angestellt habe, zeigten, daß nach einiger UÜbung auch schwächere Schüler befähigt waren, an die Tafel geschriebene Lauttexte, auch ohne dat ich sie vorlas, in die Laute umzusetzen;


