Aufsatz 
Bericht über die 50jährige Jubelfeier der Großh. Realschule und des Progymnasiums zu Alzey
Entstehung
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Über die geplante Verlegung der Pedellenwohnung in den Dachstock äusserte sich der Grossh. Kreisbaumeister Rhumbler in seinem Gutachtenvom 2. September 1867. Er erklärte, die Verlegung der Pedellenwohnung in den Dachstock biete der Lichtverhältnisse wegen Schwierigkeiten. Ein nach vorn gelegenes Zimmer lasse sich zwar durch ein Mansardenfenster ausreichend mit Licht versehen; die anderen Räume aber müssten schiefliegende Dachfenster bekommen. Überhaupt werde die Woh- nung immer notdürftig bleiben und für den Dienst eines Pedellen gewiss nicht vorteilhaft sein. Er schlägt daher die Erbauung einer besonderen Pedellenwohnung vor und will sie, um den hübschen Hofraum in keiner Weise zu beeinträchtigen, zwischen die Sakristei der katholischen Kirche und den runden Turmüberrest an der Stadtmauer gestellt haben.

In seiner Sitzung vom 20. September 1867 nimmt der Stadtrat den beiden Vorschlägen gegenüber eine abwartende Stellung ein. Er spricht sich sowohl gegen eine Verlegung der Pedellen- wohnung als auch gegen einen Neubau aus, will jedoch, um den notwendigsten Bedürfnissen vorerst Rechnung zu tragen, für den Pedellen eine in der: Nähe des Schulgebäudes gelegene Dienstwohnung mieten und seine seitherige Wohnung im unteren Stocke des Realschulgebäudes zu Lehrzimmern herrichten lassen. Wenn die Schule auch weiter eine günstige Entwickelung nehmen, und ihr die einjährige Berechtigung werde zuerkannt werden, so sei die Stadt bereit, durch Aufsetzen eines dritten Stockwerkes allen Bedürfnissen Befriedigung zu verschaffen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres 1868/69 stieg die Zahl der Schüler auf 201 gegen 134 am Schlusse des vorhergehenden Jahres. In diesem raschen Anwachsen der Schülerzahl mochte der Stadtrat wohl die Gewähr für eine gedeihliche Entwickelung sehen und erklärte sich jetzt zur Auf- führung eines weiteren Stockwerkes bereit. Die Frage des Neubaues einer Pedellenwohnung sowie eines chemischen Laboratoriums liess er einstweilen noch offen. Die Grossh. Oberbaudirektion er- klärte sich am 9. Juli 1868 mit den eingereichten Plänen einverstanden und empfahl,die Wände nötigenfalls an das Dachwerk anzuhängen oder mittelst eiserner Träger zu unterstützen, da einige nicht durch unter ihnen stehende Wände unterstützt würden. Man wählte den ersten Weg, und daraus erklären sich die vier eisernen Stangen, die durch mehrere Zimmer des dritten Stockes gehen und mit den Deckendurchzügen des zweiten Stockes verbunden sind. Die Aufführung des Baues wurde von dem Kreisbauamtsvikar Walloth, der nachmals den Zeichenunterricht an der Realschule übernahm, vom 1. September 1868 an geleitet. Am 28. Dezember 1868 wurde das fertiggestellte Gebäude der Stadt überliefert, und die hellen und freundlichen Räume des dritten Stockes wurden von der Schule am 4. Januar 1869 bezogen. Die Baukosten beliefen sich auf 4405 Gulden. Rechnen wir zu dieser Summe die Aufführungskosten des zweistöckigen Gebäudes mit 12050 Gulden, so hat die Stadt abgesehen von dem Werte des von ihr gestellten Bauplatzes und von der für den Ankauf des Simon Kolbschen Hauses gezahlten Kaufsumme 16455 Gulden für das Realschulgebäude aufgewandt.

Das Kriegsjahr 1870 brachte eine empfindliche Störung des Unterrichts mit sich. Am 6. August wurde das Realschulgebäude zu Lazarettzwecken requiriert. Doch konnte der Unterricht am 1. September wieder begonnen werden. Später wurde in Alzey ein anderes Lazarett errichtet. Da an Krankenpflegern Mangel war, so beteiligten sich auf Ersuchen des Lazarettvorstandes viele Schüler der ersten Klasse bereitwilligst an der Pflege der Kranken.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 3. April 1873 wurde Direktor Becker zum Direktor des Grossh. Gymnasiums und der Realschule zu Worms ernannt und schied am 30. April nach sieben- jähriger erfolgreicher Wirksamkeit aus seiner seitherigen Stellung. Zu seinem Nachfolger wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 19. April 1873: Karl Christoph Steinberger, vorher Direktor des Grossh. Schullehrerseminars zu Friedberg, bestimmt. Direktor Steinberger vollendete den Ausbau der Schule, indem er die Trennung der seither: zweijährigen obersten Klasse durchführte, die sein Amtsvorgänger bereits eingeleitet hatte. Dieses lang erstrebte Ziel wurde Neujahr 1875 durch