II. Die Einweihung des Gymnaſium-eubaues
Von Direktor Dr. LupwiG BucCtHHloLb A Einweihung fand am 24. September 1900, vormittags ½ 11 Uhr, ſtatt. Als Vertreter der Staatsregierungwaren erſchienen: Seine Exzellenz der Miniſter des Innern Dr. Braun, der Vorſitzende der Schulabteilung im Miniſterium des Innern Geheimerat Dr. Eifenhuth, dervortragende Ratindergen. Abteilung 2 GeheimerOberſchulratͤlodnagel, dervortragende Rat in der Bauabteilung des Miniſteriums der Finanzen Geheimer Oberbaurat Klingelhöffer; der Landtags- abgeordnete juſtizrat von Brentano di Tremezzo, der Groſth. Kreisrat Lochmann, der Kommandeur des Groſth. Heſſ. Infanterie-Regiments Nr. 168 Oberſt Riedel; als Ver- treter der Stadt Offenbach Bürgermeiſter Dr. Dullo, mehrere Beigeordnete und Stadt- verordnete; außerdem hatten die hieſigen Behörden, die religiöſen Gemeinſchaſten, die höheren Schulen, die Mittel- und Vollsſchulen ihre Vertreter entlandt, und eine große Zahl von Freunden der Anſtalt hatte ſich eingefunden.
Nachdem die feſtliche Verlammlung vor dem Portal des neuen Haufes Aufſtellung genommen hatte, wurde die Feier durch den Geſang der Beethovenſchen Hymne Die Himmel rühmen», vorgetragen vom Schülerchor, eröffnet. Hierauf hielt der Leiter des Neubaues Bauinſpektor Reuling eine kurze Anſprache, in der er darauf hinwies, daß nach faſt dreijähriger Bautätigkeit der Neubau des Gymnaſiunms, bei dem der Grundlſatz maſ- gebend geweſen, daß Schönheit in Einfachheit und Zweckmäßigkeit zu ſuchen ſei, mit dem heutigen Tage glücklich und ohne Unfall vollendet worden ſei und nunmehr leiner Beſtimmung übergeben werden ſolle. Hiermit übergab er den Schlüſſel zum Portale dem Geh. Oberbaurat Klingelhöffer, der ihn im Auftrage der Bauabteilung des Miniſteriums der Finanzen dem Miniſter des Innern überreichte. Miniſter Dr. Braun richtete in feiner Anſprache unter Hinweis auf die Bedeutung des Neubaues Worte des Dankes an die Baubehörde, den Leiter des Baues und ſeine Mitarbeiter, an alle Werkführer und Hand- werker, die zum Gelingen des Ganzen beigetragen hatten, übergab das Gebäude dem Direktor des Gymnaſiums und überreichte ihm den Schlüſfel. Direktor Dr. Buchhold übernahm die Verwaltung des Gebãudes und ſchloß es auf mit dem Weiheſpruch:«Möge es allezeit ein Hort deutſcher Geiſtes- und Herzensbildung ſein!»
Hierauf betraten die Feſtteilnehmer das Haus und begaben ſich zu der in einen Felſt- ſaal umgewandelten, feſtlich geſchmückten Turnhalle. Nach demVortrag des«Feſtgeſangs- von Chr. W. v. Gluck ergriff Miniſter Dr. Braun das Wort zu folgender Anſprache:
Bei dem vorhin vollzogenen ſymboliſchen Akt der Übergabe des Schlüſſels zu dieſem
Neubau habe ich— betonend, was er uns ſein ſoll— allen denen gedankt, die an ſeiner
VollendungVerdienſt und Anteil haben. Damit erſchöpft ſich aber das Empfinden nicht,
das uns bei der Weihe des Hauſes beſeelt. Dank und gute Wünſche ſind wir noch mehr-
fach ſchuldig. Wenn mir bei dem nunmehrigen Teil der Feier das erſte Wort vergönnt iſt, ſo mõge es an dieſer Stelle der Ausdruck des Dankes gegenüber der Stadt für ihre Hilfe zu dem Erreichten fein. Aus den Akten über die durch viele Jahre er- örterte Frage der Errichtung eines Gymnaſiums in Offenbach habe ich entnommen, wie anfänglich unter den beteiligten Faktoren über die Zweckmäßigkeit einer ſolchen
Maßregel die Anſichten weit auseinander gingen. Die Stadtvertretung hielt ſtets an der
Forderung eines humaniſtiſchen Gymnaſiums feſt. Der Zweifel iſt geſtattet, ob allein
oder auch nur überwiegend die ideale Liebe für den Humanismus die Triebfeder für


